Historischer Schlag gegen Darknet-Kriminalität in Bayern
In einem beispiellosen internationalen Einsatz ist es bayerischen Strafverfolgungsbehörden gelungen, einen massiven Schlag gegen kriminelle Aktivitäten im Darknet zu führen. Oberstaatsanwalt Stephan Schäl (49), Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet (ZKI) bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, hat gemeinsam mit dem Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) über 373.000 verbrecherische Seiten im Darknet beschlagnahmt und dauerhaft abgeschaltet.
Operation Alice: Internationale Zusammenarbeit führt zum Erfolg
Die unter dem Codenamen Operation Alice durchgeführte Aktion gilt als der weltweit erfolgreichste Schlag gegen ein kriminelles Netzwerk im Darknet. Insgesamt 23 Staaten beteiligten sich an den Mammut-Ermittlungen, die von der Zentralstelle für Cybercrime Bayern (ZCB) koordiniert wurden. Die beschlagnahmten Domains befanden sich auf rund hundert Servern und zeigten nach ihrer Abschaltung den Sperrvermerk Seized – This hidden site has been taken down! an.
„Damit konnten vermutlich mehr als die Hälfte aller aktiven Seiten im Darknet abgeschaltet werden“, erklärt Oberstaatsanwalt Schäl, der zu Bayerns führenden Cybercrime-Jägern zählt. Bei den betroffenen Seiten handelte es sich um sogenannte Fake-Shops, die mit pädophilen Inhalten und entsetzlichen Missbrauchs-Bildern Darknet-Nutzer anlockten.
Betrugssystem mit Bitcoin-Zahlungen aufgeflogen
Die Ermittler deckten ein ausgeklügeltes Betrugssystem auf: Die Betreiber boten kinderpornografische Inhalte gegen Bezahlung in Bitcoins an – beispielsweise Bilder von „Girls“ für 45 US-Dollar. Nach Eingang der Zahlungen wurde die versprochene Ware jedoch nie geliefert. Mit innovativen Ermittlungsmethoden, darunter einer speziellen Suchmaschine für das Darknet, verfolgten die Fahnder die Zahlungsströme und identifizierten so den mutmaßlichen Drahtzieher.
Bei dem Hauptverdächtigen handelt es sich um einen 36-jährigen Chinesen namens Wang Shuaibo, der laut Ermittlungen etwa 18 Bitcoins (umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro) mit den Betrugstaten eingenommen haben soll. Gegen ihn wurde internationaler Haftbefehl erlassen.
Ermittlungen gegen 600 Nutzer eingeleitet
Neben dem Haupttäter haben die Behörden auch rund 600 Nutzer im Visier, die zwischen 2020 und 2025 auf den kriminellen Seiten pädophile Inhalte bestellt hatten. Gegen alle wurden Ermittlungen eingeleitet, 440 Personen konnten bereits identifiziert werden. In Deutschland fanden im Rahmen der Operation 14 Durchsuchungen bei Verdächtigen in neun Bundesländern statt.
Justizminister fordert schärfere Strafen
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (55, CSU) zeigte sich bei der Pressekonferenz beeindruckt von dem Ermittlungserfolg: „Die weltweite Operation ist ein neuer bedeutender Ermittlungserfolg bayerischer Strafverfolgungsbehörden. Die Fake-Shops warben mit echtem kinderpornografischem Material. Das Verfahren zeigt daher auch, wie erschreckend groß die Nachfrage in diesem Bereich ist. Das nehmen wir in Bayern nicht hin.“
Der Minister nutzte die Gelegenheit, um Forderungen nach einer Verschärfung des Strafrechts zu erneuern. Er plädiert dafür, die Mindeststrafe für Betreiber illegaler Portale von derzeit sechs Monaten auf drei Jahre zu erhöhen, um künftigen Tätern einen deutlicheren Abschreckungseffekt zu bieten.
Die erfolgreiche Operation unterstreicht die wachsende Bedeutung spezialisierter Cybercrime-Einheiten in der modernen Strafverfolgung und zeigt, wie internationale Zusammenarbeit selbst in den dunkelsten Ecken des Internets Wirkung zeigen kann.



