Betrug bei Deutsch- und Einbürgerungstests in Nürnberg fliegt auf
Die Nürnberger Polizei hat einen aufwendigen Betrug bei Sprachtests für Ausländer aufgedeckt. Mehrere Verdächtige sollen Deutsch- und Einbürgerungstests stellvertretend für Menschen abgelegt haben, die selbst nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügten. Das teilten die Ermittler mit. Inzwischen sind zwei mutmaßliche Täter aus Bayern und Nordrhein-Westfalen in Untersuchungshaft genommen worden.
Stellvertreter mit gefälschten Dokumenten im Einsatz
Ein 39-jähriger Tatverdächtiger aus Nürnberg soll laut Polizeiangaben Personen mit guten Deutschkenntnissen als sogenannte Stellvertreter zu Prüfungen geschickt haben. Dabei nutzten sie gefälschte Dokumente, um die Identität der eigentlichen Prüflinge vorzutäuschen. Die Prüfer durchschauten den Schwindel offenbar nicht. Nach bestandener Prüfung erhielten die Teilnehmer echte Zertifikate, die dann bei Behörden für Aufenthaltserlaubnisse oder Einbürgerungsverfahren vorgelegt wurden.
Für diese Dienstleistung mussten die Auftraggeber wohl zwischen 2500 und 6000 Euro pro Test bezahlen. Der Hauptverdächtige rekrutierte die Stellvertreter hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen.
Festnahme während einer Prüfung und Durchsuchungen
Im Januar gelang es den Ermittlern, einen 22-jährigen Stellvertreter während einer laufenden Prüfung festzunehmen. Bei anschließenden Durchsuchungen in Nürnberg und Hamm wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt:
- Datenträger mit sensiblen Informationen
- Gefälschte Aufenthaltstitel und Sprachtests
- Eine große Menge Bargeld
- Eine geringe Menge Betäubungsmittel
Ermittlungen in ganz Deutschland dauern an
Die Ermittlungen erstrecken sich mittlerweile auf das gesamte Bundesgebiet und sind noch nicht abgeschlossen. Die Polizei geht davon aus, dass eine hohe zweistellige Zahl weiterer Ermittlungsverfahren folgen wird. Dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitslücken im System der Sprach- und Einbürgerungstests.
Hintergrund: Ähnliche Betrugsfälle sind in der Vergangenheit bereits in anderen Städten wie Flensburg und München aufgedeckt worden. Dort führten gefälschte Sprachzertifikate zu Haftstrafen und sogar zum Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit bei hunderten Neubürgern.



