Joseph Blatter wird 90: Ein Leben ohne Reue für Fifa-Korruption
Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter begeht heute seinen 90. Geburtstag und blickt auf eine umstrittene Ära zurück, in der der Fußballweltverband zum Hort der Korruption wurde. In aktuellen Interviews anlässlich seines Jubiläums zeigt Blatter keinerlei persönliche Verantwortung für die Skandale, die die Fifa während seiner 17-jährigen Amtszeit von 1998 bis 2015 erschütterten. Stattdessen schiebt er die Schuld auf seinen Nachfolger Gianni Infantino.
Ein reines Gewissen trotz dunkler Schatten
Blatter betont, er könne nachts gut schlafen und habe ein reines Gewissen. In der Rückschau erklärt er: Ich bereue nichts, was ich nicht gemacht habe, wie ich auch nicht bereue, was ich gemacht habe. Zwar räumt er ein, dass es unter seiner Führung Personen gab, die in Abhängigkeitsverhältnissen standen und Geld annahmen, doch die Fifa sei ganz sicher nicht mafiös gewesen. Dies gilt auch für die umstrittenen Vergaben der Weltmeisterschaften an Russland und Katar.
Der Sturz und die anhaltenden Vorwürfe
Blatters Präsidentschaft endete 2015 abrupt, nachdem US-Behörden bei einer Razzia in einem Zürcher Luxushotel mehrere Fifa-Funktionäre festnahmen. Die Fifa-Ethikkommission sperrte ihn später wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsführung für acht Jahre, später reduziert auf sechs Jahre. Doch Blatter bleibt unbeugsam und zeigt sich keines Fehlverhaltens bewusst. Stattdessen richtet er seine Kritik nun scharf auf Infantino, den er als Sonnenkönig und Verantwortlichen einer totalen Diktatur bezeichnet. Er warnt vor der Nähe Infantinos zu US-Präsident Donald Trump und rät Fußballfans von einer Reise zur WM in die USA ab.
Ein Geburtstag im kleinen Kreis und ein letzter Wunsch
Trotz gesundheitlicher Probleme geht es Blatter heute gut, und er feiert seinen Geburtstag im kleinen Kreis. Sein Kampf für Rehabilitation geht auch mit 90 Jahren weiter. Sein größter Wunsch ist eine ehrenhafte Verabschiedung auf einem Fifa-Kongress. Sollte dies geschehen, verspricht er, dass dann die Ära Blatter bei der Fifa endgültig vorbei sei. Damit bleibt der ehemalige Fußballboss auch im hohen Alter eine polarisierende Figur, die die Schatten der Vergangenheit nicht loslässt.



