Eine umfassende Datenbank namens „Justiz und NS-Verbrechen“ erlaubt es nun, gezielt nachzuvollziehen, ob eigene Vorfahren nach 1945 wegen NS-Verbrechen vor Gericht standen. Die Datenbank vereint tausende Nachkriegsurteile und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich. Wer wissen möchte, ob Angehörige in nationalsozialistische Verbrechen verwickelt waren, muss nicht mehr mühsam in Archiven suchen.
Wie funktioniert die Recherche?
Die Datenbank ist online abrufbar und ermöglicht eine einfache Suche nach Namen, Orten und Tatbeständen. Sie enthält Urteile von deutschen Gerichten, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegen mutmaßliche NS-Täter gefällt wurden. Die Sammlung umfasst sowohl Verfahren vor westdeutschen als auch vor ostdeutschen Gerichten und erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte.
Hintergrund der Datenbank
Das Projekt wird von der Universität Amsterdam und dem niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD) betrieben. Es basiert auf der gleichnamigen Urteilssammlung, die bereits seit den 1960er Jahren existiert. Die Digitalisierung ermöglicht nun einen weltweiten Zugriff.
Die Datenbank ist ein wertvolles Werkzeug für Historiker, Familienforscher und alle, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Zeit beschäftigen. Sie trägt dazu bei, die Erinnerung an die Verbrechen wachzuhalten und die Verantwortung der Justiz zu dokumentieren.
Wer kann suchen?
Jeder Interessierte kann die Datenbank nutzen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Suche ist kostenfrei. Allerdings erfordert die Interpretation der juristischen Fachsprache manchmal Hintergrundwissen. Die Macher der Datenbank bieten daher Hilfestellungen und Erläuterungen an.
Die Veröffentlichung der Datenbank hat in Deutschland eine Debatte über den Umgang mit der NS-Vergangenheit ausgelöst. Während viele die Transparenz begrüßen, warnen andere vor einer pauschalen Verurteilung von Familienangehörigen. Die Datenbank soll nicht der Stigmatisierung dienen, sondern der historischen Wahrheit.
Zugang und Nutzung
Die Datenbank ist über die Webseite der Universität Amsterdam erreichbar. Sie wird ständig erweitert und aktualisiert. Weitere Urteile aus Archiven in ganz Europa sollen in den kommenden Jahren hinzugefügt werden. Das Projekt wird von der Europäischen Union gefördert.
Für die Nutzung der Datenbank werden lediglich ein Internetzugang und ein Browser benötigt. Die Benutzeroberfläche ist auf Deutsch und Englisch verfügbar. Die Urteile selbst sind in der Originalsprache, also überwiegend Deutsch, verfasst.
Bedeutung für die Forschung
Die Datenbank „Justiz und NS-Verbrechen“ ist ein Meilenstein in der digitalen Holocaust-Forschung. Sie ermöglicht nicht nur die Suche nach Einzelschicksalen, sondern auch statistische Auswertungen über die Strafverfolgung von NS-Tätern. Forscher können so Muster erkennen und die Effektivität der Justiz analysieren.
Die Datenbank zeigt auch, wie viele Täter unbestraft blieben oder nur milde Strafen erhielten. Dies wirft Fragen nach der juristischen Aufarbeitung der NS-Zeit auf, die bis heute nachwirken. Die Datenbank ist daher nicht nur ein historisches, sondern auch ein gesellschaftspolitisches Werkzeug.



