West Glacier (Montana) – „Was er in seinen 33 Jahren erlebt hat, das erleben manche Menschen nicht mal in ihrem ganzen Leben“, sagt Arthur Pollio über seinen Sohn Anthony. Seine Abenteuerlust wurde dem Mann aus Florida zum Verhängnis. Wie zahlreiche US-Medien berichten, ist der Diakon beim Solo-Wandern von einem Grizzly getötet worden.
Der Unfallhergang
Pollio war Anfang Mai auf dem Mount Brown Trail unterwegs, einem malerischen Wanderweg im Glacier-Nationalpark. Am 3. Mai gegen 20 Uhr Ortszeit riss der Kontakt zu seinem Vater ab, der Anthony als vermisst meldete. Drei Tage später fanden Parkranger die Leiche des Urlaubers. Sie lag etwa 15 Meter abseits des Weges im Dickicht. Laut Pressemitteilung des Parks wies der Körper für einen Bärenangriff typische Verletzungen auf.
Die letzten Worte: „Ich liebe Dich“
Der Vater sprach mit dem „Sun Sentinal“, einem Lokalblatt aus Florida, wo die Familie ihre Wurzeln hat. Demnach klang sein „furchtloser Sohn“ in seiner letzten Sprachnachricht außer Atem und schilderte den vermutlich letzten Tag in seinem Leben. Die Nachricht endete mit „Ich liebe Dich“. Grizzlybären können bis zu 700 Kilo schwer werden.
Der Glacier-Nationalpark liegt in Montana an der Grenze zu Kanada. In dem Park sollen bis zu 350 Grizzlys leben. Anthony Pollio war zuvor mit einem Kumpel zwei Wochen durch die Staaten gefahren. In Montana trennte sich das Duo, der 33-Jährige ging alleine in die Rocky Mountains. Anthony, der als Diakon für die katholische Kirche missionierte, galt als erfahrener Jäger. Sein Vater vermutet, dass er beim Abstieg von einer Hütte auf einen besonders aggressiven Grizzly traf. „Ich glaube, er wurde von dem Bären angegriffen und hat sein Abwehrspray benutzt. Dann ist er geflohen, der Bär hat ihn verfolgt und an der Schulter gepackt.“
Erster tödlicher Grizzly-Angriff seit 1998
Tragisch: Bei dem Angriff auf den Motorrad-Fan handelt es sich um den ersten tödlichen Vorfall seiner Art in dem Park an der Grenze zu Kanada seit Mai 1998. Damals wurde der Wanderer Craig Dahl auf dem Scenic Point Trail attackiert. Die Wildhüter töteten daraufhin das verantwortliche Tier und zwei seiner Jungen. In der Pressemitteilung des Parks zum Tod von Anthony Pollio heißt es, dass derzeit „keine Maßnahmen gegen den Bären ergriffen werden“. Der Wanderweg ist derzeit gesperrt.
Die Nachricht von Anthonys Tod hat viele Menschen bewegt. Er war bekannt für seine tiefe Religiosität und seine Leidenschaft für die Natur. Sein Vater hofft, dass die Erinnerung an seinen Sohn und seine letzte Botschaft andere dazu inspiriert, das Leben in vollen Zügen zu genießen, aber auch die Gefahren der Wildnis nicht zu unterschätzen.



