Doppelmord-Prozess in Gießen: TikTok-Livestream soll Killer zu Opfern geführt haben
Doppelmord-Prozess: TikTok-Livestream führte zu Opfern

Doppelmord-Prozess in Gießen: TikTok-Livestream soll Killer zu Opfern geführt haben

Vor dem Landgericht Gießen hat der Prozess gegen zwei Brüder begonnen, denen ein Doppelmord in Bad Nauheim zur Last gelegt wird. Hazret Y. (29) wird vorgeworfen, am 19. April 2025 in Bad Nauheim (Hessen) Süleyman S. (59) und dessen Schwiegersohn Hüseyin S. (28) erschossen zu haben. Sein Bruder Mehmet Y. (36) ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

Mindestens zehn Schüsse abgegeben

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Hauptangeklagte die beiden Männer gezielt aufgesucht und mit einer Pistole im Kaliber 9 mm mindestens zehnmal auf sie geschossen haben. Beide Opfer erlitten tödliche Verletzungen. Süleyman S. starb noch am Tatort, sein Schwiegersohn Hüseyin S. verstarb wenig später trotz intensiver Reanimationsversuche. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass der mutmaßliche Täter den Aufenthaltsort von Süleyman S. zuvor über einen TikTok-Livestream „sekundengenau“ verfolgt haben soll.

Doppelmord als Racheakt in Blutfehde

Als mögliches Motiv nennt die Staatsanwaltschaft eine seit Jahren andauernde Auseinandersetzung zwischen zwei Familien. Hintergrund soll ein Tötungsdelikt im Jahr 2021 in der Türkei sein, bei dem der Vater der Angeklagten ums Leben kam. „Seitdem herrschte zwischen beiden Familien eine Blutfehde“, erklärte die Staatsanwältin bei der Anklageverlesung. Um die Tötung ihres Vaters zu rächen und vermeintlich die Familienehre wiederherzustellen, sollen die Angeklagten beschlossen haben, die beiden Männer zu töten. Friedensverhandlungen in der Türkei seien gescheitert. Im Jahr 2023 floh das spätere Opfer Süleyman S. mit seiner Familie nach Deutschland.

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Opferfamilie hoffte auf sicheres Leben in Deutschland

Die Witwe von Süleyman S. schilderte vor Gericht die dramatischen Ereignisse am Tattag. Sie habe in der Küche gestanden und wollte gerade Kaffee kochen, als sie die Schüsse hörte. „Als ich aus dem Fenster schaute, habe ich meinen Mann auf dem Boden liegen sehen“, sagte die Mutter von neun Kindern unter Tränen. Die Familie habe gehofft, in Deutschland ein sicheres Leben führen zu können und dass die Kinder hier vernünftig aufwachsen könnten. Sie betonte zudem, dass weder ihr Mann noch ihr Schwiegersohn in die damaligen Ereignisse in der Türkei verwickelt gewesen seien.

Angeklagte schweigen zu den Vorwürfen

Dem Mitangeklagten Mehmet Y. wird vorgeworfen, seinen Bruder Hazret Y. vor der Tat in die Nähe des Tatorts gefahren zu haben. Zu den schwerwiegenden Vorwürfen haben sich die beiden Männer vor Gericht bislang nicht geäußert. Laut Staatsanwaltschaft soll der Hauptangeklagte die Tat nach seiner Festnahme eingeräumt haben, während sein Bruder eine Beteiligung an dem Verbrechen bestreitet. Das Verfahren wird fortgesetzt, weitere Zeugen sowie Sachverständige sollen in den kommenden Verhandlungstagen gehört werden.

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