In Ducherow herrscht seit Monaten Ausnahmezustand. Ein polizeibekannter Mann versetzt das gesamte Dorf in Angst und Schrecken. Beleidigungen, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Körperverletzung stehen auf der Liste seiner mutmaßlichen Taten. Besonders Eltern sorgen sich um ihre Kinder, die sich nicht mehr allein vor die Tür trauen. Geschäfte und Praxen bleiben tagsüber verschlossen, um den Unruhestifter fernzuhalten.
Eltern in Sorge um ihre Kinder
Eine mehrfache Mutter, die anonym bleiben möchte, schildert dem Nordkurier ihre Verzweiflung. Ihr Sohn wurde auf offener Straße bedroht und beraubt. „Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr allein auf die Straße. Die Kinder haben Angst auf dem Weg zur Schule“, berichtet sie. Sie möchte niemanden an den Pranger stellen, aber auf die unhaltbare Situation aufmerksam machen. Fast täglich ist die Polizei im Ort präsent.
Bürgermeister im Austausch mit Behörden
Ducherows Bürgermeister Martin Weitmann bestätigt, dass in fast jeder Bürgersprechstunde die Taten des Mitte-40-Jährigen thematisiert werden. Der Mann sei von Kindesbeinen an Einwohner der Gemeinde, aber bereits vielfach negativ aufgefallen. Schon in jungen Jahren geriet er mit dem Gesetz in Konflikt, wurde verurteilt und saß in Haft. Aktuell berichten Geschäftsleute, dass sie tagsüber ihre Türen verschließen, um den Störer fernzuhalten. Auch ältere Menschen melden sich, die auf offener Straße angepöbelt wurden oder sich über Lärm beschweren. Weitmann steht in regelmäßigem Austausch mit Polizei und Landkreis, doch eine Lösung ist bislang nicht in Sicht.
Polizei zählt über 20 Ermittlungsverfahren
Bei der Polizei ist der Störer ein alter Bekannter. Cindy Trehkopf von der Polizeiinspektion Anklam bestätigt, dass seit Jahresbeginn mehr als 20 Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet wurden. „Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Rohheitsdelikte, unter anderem ein Fall des räuberischen Diebstahls und Körperverletzungen sowie diverse Fälle von Beleidigungen und Hausfriedensbruch.“ Die Ortschaft werde regelmäßig bestreift, strafbares Verhalten konsequent geahndet. Im Kriminalkommissariat Anklam herrsche eine hohe Sensibilisierung, die Fälle würden priorisiert bearbeitet. Enge Abstimmungen mit der Staatsanwaltschaft erfolgen, um Maßnahmen schnell zu prüfen. Vor einigen Wochen wurde der Mann für zehn Tage in Gewahrsam genommen, nachdem er erneut mit Bedrohung, Beleidigung und Widerstand aufgefallen war. Inzwischen ist er wieder in Ducherow.
Prozess vor dem Landgericht
Der Nordkurier erfuhr, dass sich der Mann derzeit einem Berufungsprozess vor dem Landgericht Neubrandenburg stellen muss. Es geht um ein Urteil aus dem Jahr 2021, unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Bedrohung und Raub. Das ursprüngliche Urteil lautete zwei Jahre und vier Monate Haft. Da nur der Angeklagte Berufung eingelegt hat, kann das Gericht die Strafe nicht erhöhen, aber möglicherweise senken. Fällt die Strafe auf zwei Jahre oder darunter, käme eine Bewährungsstrafe in Frage – allerdings nur bei günstiger Sozialprognose. Angesichts der aktuellen Vorfälle in Ducherow scheint dies jedoch unwahrscheinlich. Die Redaktion versuchte vergeblich, den Mann zu kontaktieren.



