Mexikos Drogenkönig El Mencho beigesetzt: Eine trostlose Beerdigung ohne Machtdemonstration
Nur wenige Trauergäste stehen am Grab des getöteten Drogenbarons Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, besser bekannt als El Mencho. Auf dem Friedhof Recinto de la Paz in Zapopan, einem Vorort von Guadalajara im Bundesstaat Jalisco, verlieren sich die wenigen Menschen fast zwischen den Grabreihen. Soldaten beobachten die Szene aus der Distanz, während ein goldener Sarg in die Erde gesenkt wird. Die Beerdigung des einst mächtigsten Drogenbosses Mexikos wirkt auffallend still und trostlos.
Keine öffentliche Machtdemonstration trotz früherer Schreckensherrschaft
Bis vor zehn Tagen galt El Mencho als unangefochtener König des mexikanischen Drogenhandels. Am 22. Februar wurde er bei einem Militäreinsatz in Tapalpa im Bundesstaat Jalisco so schwer verletzt, dass er auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Sein Tod markiert das Ende einer Ära der Gewalt, doch die Beerdigung am Montag unter militärischer Aufsicht zeigt keine Spur der früheren Machtdemonstration. Kein Massenandrang, keine öffentlichen Bekundungen der Kartelltreue – stattdessen herrscht eine gespenstische Stille auf dem Friedhof.
Landesweite Ausschreitungen mit 74 Toten nach El Menchos Tod
Die Ruhe bei der Beerdigung steht in krassem Gegensatz zu den gewalttätigen Reaktionen, die El Menchos Tod auslöste. Mindestens 74 Menschen kamen bei landesweiten Ausschreitungen ums Leben. Laut offiziellen Angaben der Behörden waren die meisten Toten Mitglieder des Kartells, die bei Gefechten mit Soldaten starben. Doch auch 25 Mitglieder der Nationalgarde, ein Justizbeamter und ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft verloren ihr Leben.
Die Gewalt eskalierte in beispiellosem Ausmaß:
- Kartellmitglieder errichteten in 20 Bundesstaaten rund 250 Straßenblockaden
- Geschäfte wurden in Brand gesetzt, auch im WM-Austragungsort Guadalajara
- Die Sicherheitslage verschlechterte sich dramatisch, was ernste Bedenken bezüglich der im Sommer dort stattfindenden Weltmeisterschafts-Spiele auslöste
Vom verarmten Dorfjungen zum meistgesuchten Verbrecher der Welt
El Menchos Aufstieg liest sich wie ein düsteres Märchen aus der Unterwelt. Geboren 1966 in einem verarmten Dorf im Bundesstaat Michoacán, brach er Berichten zufolge bereits in der 5. Klasse die Schule ab. Mit 14 Jahren bewachte er Drogenplantagen, später ging er illegal in die USA und stieg in den Heroinhandel ein. Mehrere Gefängnisaufenthalte konnten seinen Aufstieg in der kriminellen Hierarchie nicht aufhalten.
Zurück in Mexiko gründete er das berüchtigte „Cártel de Jalisco Nueva Generación“ (CJNG), dem zahlreiche Morde, Entführungen und Massaker zugeschrieben werden. 2018 galt er als meistgesuchter Verbrecher der Welt, die USA setzten ein Kopfgeld von 15 Millionen Dollar auf ihn aus. Trotz dieser hohen Belohnung blieb er jahrelang ungefasst.
Ein Land trägt noch immer an den Folgen
Nun bleibt ein Grab in Zapopan zurück – und ein Land, das schwer an den Folgen von El Menchos Schreckensherrschaft trägt. Die trostlose Beerdigung mag das Ende eines Kapitels markieren, doch die Sicherheitslage in Mexiko bleibt angespannt. Die gewalttätigen Ausschreitungen nach seinem Tod zeigen, dass die Machtstrukturen der Drogenkartelle auch ohne ihren Anführer weiterbestehen. Die mexikanischen Behörden stehen vor der enormen Herausforderung, die Stabilität vor allem in Hinblick auf die bevorstehende Weltmeisterschaft zu gewährleisten.



