Epstein-Akten enthüllen: Überraschend viele Verbindungen des Sexualstraftäters zu Österreich
Epstein-Akten: Viele Verbindungen des Sexualstraftäters zu Österreich

Epstein-Akten enthüllen: Überraschend viele Verbindungen des Sexualstraftäters zu Österreich

Ende Januar hat das US-Justizministerium mehr als drei Millionen Akten zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlicht. Nach intensiver Recherche zeigt sich: Österreich spielt in diesem Datenwust eine überraschend große Rolle. Zu keinem anderen vergleichsweise kleinen europäischen Land existieren bislang so viele unterschiedliche Bezüge.

Österreichische Spuren in der Epstein-Affäre

Der schwerreiche Amerikaner suchte aktiv nach einer Luxuswohnung in Wien, wobei unklar bleibt, ob er tatsächlich eine Immobilie erwarb. Epstein investierte zudem in eine von Wienern gegründete Onlinebank und förderte die Arbeit des aus Niederösterreich stammenden Harvard-Professors Martin Nowak mit Millionenbeträgen – nachdem er diesen auf seiner Privatinsel in der Karibik empfangen hatte.

Ebenso pumpte der US-Investor Geld in den seinerzeit in Wien ansässigen Thinktank IPI. Gerüchten zufolge soll Epstein dort Frauen Praktika vermittelt haben, was weitere Fragen aufwirft.

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Mysteriöser Wien-Besuch und Vorarlberger Ermittlungen

Kurz vor seiner Festnahme im Jahr 2019 unternahm Epstein einen äußerst kurzen Trip nach Wien, bei dem er nur wenige Stunden blieb und drei weibliche Personen begleitete. Diese mysteriöse Reise hätte Epstein als verurteilter Sexualstraftäter bei den US-Behörden anmelden müssen – was er jedoch unterließ. Die Gründe für diesen geheim gehaltenen Besuch bleiben unklar.

In Westösterreich beschäftigt derzeit ein weiterer Fund in den Epstein-Akten die Ermittler. Die Vorarlberger Polizei bestätigte gegenüber SPIEGEL und »Standard« eine E-Mail aus dem Jahr 2012 aus dem Montafon, in der von zwei 15-jährigen Schweizer Jungs die Rede ist, die als »süß« und »sehr folgsam« beschrieben werden. Die Identität der Person, die Epstein gegenüber damals Minderjährige auf diese Weise charakterisierte, bleibt unbekannt – ihr Name ist in den Dokumenten geschwärzt.

Politische Verflechtungen und Hunderte österreichische Bezüge

Die Akten zeigen auch politische Verbindungen: Epstein beschäftigte sich 2018 damit, den damaligen österreichischen Kanzler Sebastian Kurz mit Stephen Bannon zusammenzubringen – dem berüchtigten Ex-Strategen von Donald Trump. Kurz dementiert, dass es zu einem solchen Treffen kam.

Zudem existieren Schriftwechsel zwischen dem US-Investor und der Wiener Herausgeberin Eva Dichand, wobei Österreichs mächtigste Medienfrau auf die Enthüllungen bisher zurückhaltend reagierte. Insgesamt finden sich laut Recherchen »mehrere Hundert Dokumente« in den Epstein-Akten mit Bezug zu Österreich, was zahlreiche Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen bietet.

Politische Entwicklungen in Österreich

Parallel zu den Epstein-Enthüllungen hat sich die politische Stimmung in Österreich verändert. Während die FPÖ nach wie vor als stärkste politische Kraft mit über 30 Prozent gilt, verzeichnete die radikal rechte Partei zuletzt leichte Verluste. FPÖ-Chef Herbert Kickl versucht seit seinem gescheiterten Kanzlerkandidatur-Versuch vor etwa einem Jahr, US-Präsident Donald Trump als neues Leitbild zu präsentieren.

Doch eine übergroße Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher blickt mit großer Skepsis auf Trump. Nur sieben Prozent der Befragten glauben laut einer Umfrage im Auftrag des »Standard«, dass eine Zusammenarbeit der USA mit der EU unter Trump besser wird. Zwei Drittel rechnen sogar mit Aufständen in den Vereinigten Staaten.

Unter den Anhängern Kickls favorisiert fast jeder Zweite eine engere Beziehung Österreichs zu Wladimir Putins Russland – eine Position, die sich Trump in der Vergangenheit ebenfalls gewünscht hat. Die Epstein-Akten und ihre österreichischen Bezüge werfen somit nicht nur Licht auf kriminelle Netzwerke, sondern auch auf politische Verflechtungen im internationalen Kontext.

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