Ex-FDP-Bundestagsabgeordneter in Braunschweig wegen Kindesmissbrauchs angeklagt
Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Hartmut Ebbing (69) muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Braunschweig verantworten. Die schwerwiegenden Vorwürfe lauten auf sexuellen Missbrauch eines damals siebenjährigen Jungen im Jahr 2021. An seiner Seite auf der Anklagebank sitzt seine frühere Lebensgefährtin (52), die Mutter des mutmaßlichen Opfers.
Anklage: Sexuelle Handlungen und kinderpornografische Aufnahmen
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft dem Ex-Politiker und der Lehrerin konkret vor, im Jahr 2021 gemeinsam sexuelle Handlungen an dem damals siebenjährigen Sohn der Frau vorgenommen zu haben. Darüber hinaus soll die Angeklagte, die insgesamt acht Kinder hat, Aufnahmen dieser Taten angefertigt und an Hartmut Ebbing geschickt haben. Laut Anklagevertretern ging sie davon aus, dass sich der ehemalige Abgeordnete darüber freuen würde.
Die beiden hatten sich 2021 über die Dating-Plattform „Elite-Partner“ kennengelernt und eine kurze sexuelle Beziehung geführt. In diesem Zusammenhang soll Ebbing die Frau per Chat dazu gebracht haben, ihm kinderpornografische Fotos ihrer beiden jüngsten Söhne zu übermitteln.
Gegenständliche Aussagen vor Gericht
In ihrer Einlassung vor Gericht schilderte die mitangeklagte Ex-Freundin, dass Ebbing in den Chats „ständiges Drängeln“ an den Tag gelegt und von einer „offenen Lebensform mit Familien-Petting“ gesprochen habe, die er in den Niederlanden kennengelernt haben will. „Ich wollte ihm gefallen, fühlte mich unter Druck gesetzt, deshalb habe ich ihm die Fotos geschickt“, erklärte die Frau und fügte bekümmert hinzu: „Ich schäme mich dafür.“
Hartmut Ebbing räumte in seiner Aussage jahrelange suchtartige Neigungen ein und entschuldigte sich für sein Verhalten in den Chats. Allerdings bestand der ehemalige FDP-Politiker darauf, dass es sich ausschließlich um Fantasien gehandelt habe und sein reales sexuelles Interesse der Frau gegolten habe. Den Vorwurf, den siebenjährigen Jungen angefasst zu haben, wies er entschieden zurück.
Die Mutter widersprach dieser Darstellung vehement: „Ich habe gesehen, wie er meinen Sohn intim angefasst hat, ein paar Sekunden.“ Sie gestand, damals und auch später bei der Polizei nichts dazu gesagt zu haben, was sie sehr belaste. Nach wenigen Wochen habe sie die Beziehung beendet, weil Ebbing immer fordernder geworden sei.
Vorbelasteter Angeklagter mit politischer Vergangenheit
Hartmut Ebbing saß von 2017 bis 2021 für die FDP im Deutschen Bundestag, wo er in seinen Reden regelmäßig von Freiheit und Menschenwürde sprach. Der aktuelle Prozess in Braunschweig wurde durch ein früheres Verfahren in Berlin ausgelöst, in dem Ebbing im Februar 2025 vom Amtsgericht Tiergarten wegen Verbreitung und Besitzes kinderpornografischer Inhalte zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde. Dieses Urteil ist bereits rechtskräftig.
Bei einer Verurteilung im aktuellen Verfahren droht beiden Angeklagten eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr. Das Landgericht Braunschweig wird voraussichtlich am 20. März 2026 sein Urteil verkünden und damit einen der aufsehenerregendsten Missbrauchsprozesse der jüngeren Zeit abschließen.



