Fake-Dating-Falle: Angeklagte lockten Männer mit Minderjährigen-Profilen in brutale Überfälle
Fake-Dating-Falle: Männer mit Minderjährigen-Profilen gelockt

Fake-Dating-Falle: Angeklagte lockten Männer mit Minderjährigen-Profilen in brutale Überfälle

Mit gefälschten Online-Profilen, die sie als minderjährige Mädchen ausgaben, lockten vier junge Männer erwachsene Männer in fingierte Treffen – nur um sie dann brutal zu überfallen, zu missbrauchen und auszurauben. Die nun angeklagten Täter im Alter von 19 bis 20 Jahren stehen seit Kurzem vor der Jugendstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts und müssen sich unter anderem wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes, der Vergewaltigung und der besonders schweren räuberischen Erpressung verantworten.

Systematische Taten in dynamischer Gruppierung organisiert

Laut der Anklage der Staatsanwaltschaft Stuttgart gaben sich die Angeklagten monatelang auf einer Dating-Plattform als Mädchen aus, um mit ihren ahnungslosen Opfern in Kontakt zu treten. Bei den anschließend vereinbarten Treffen schlugen sie dann in wechselnder Besetzung brutal zu. Die jungen Männer waren dabei mit gefährlichen Waffen wie Messern, Pfefferspray, Schlagstöcken oder sogar Schusswaffen bewaffnet, was die Gewaltbereitschaft und Gefährlichkeit der Taten unterstreicht.

Die Organisation der Raubzüge erfolgte laut Ermittlungen in einer Chatgruppe, die als „dynamische Gruppierung“ beschrieben wird. Der Kreis der mutmaßlich Beteiligten soll sogar deutlich größer sein: Nach früheren Angaben der Polizei werden 15 weitere Männer und 3 Frauen verdächtigt, in unterschiedlicher Weise an den Taten beteiligt gewesen zu sein. Dies deutet auf ein möglicherweise weit verzweigtes Netzwerk hin, das systematisch Erwachsene in die sogenannte Sex-Falle lockte, um sie auszurauben.

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Keine Pädophilen-Jäger, sondern brutale Räuber

Ein ähnliches Vorgehen kursiert derzeit unter dem Schlagwort „Pedo-Hunting“ in sozialen Netzwerken, bei dem sich selbst ernannte Jäger angebliche Pädophile stellen. Die Polizei Stuttgart betonte jedoch nach einer Razzia im Dezember deutlich, dass die angegriffenen Männer in den meisten Fällen nichts falsch gemacht hätten. „Der Begriff ‚Pedo-Hunter‘ passt daher nicht“, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme. Stattdessen nutzten die Tatverdächtigen diese Masche schlichtweg, um die Männer anzugreifen und auszurauben.

Dies hob auch der Richter zum Prozessauftakt hervor: „Nach Aktenlage gibt es überhaupt keine Hinweise, dass es sich bei den Erwachsenen um Pädophile handelt“, sagte er und unterstrich damit, dass die Täter ihre Opfer willkürlich und ohne jegliche Rechtfertigung auswählten. Die traumatisierten Opfer bleiben mit den Folgen der brutalen Überfälle zurück, während die Angeklagten, die zuletzt noch zur Schule gingen, nun vor Gericht stehen.

Umfangreicher Prozess mit fast 20 Verhandlungstagen

Insgesamt sind vor der Jugendstrafkammer fast 20 Verhandlungstage bis Mitte Juli geplant, was die Komplexität und Schwere der Vorwürfe widerspiegelt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten und mögliche weitere Verdächtige systematisch vorgegangen sind, um Erwachsene in die Falle zu locken. Die Ermittlungen deuten auf eine gut organisierte und gewalttätige Gruppe hin, die das Vertrauen ihrer Opfer im digitalen Raum ausnutzte, um reale Gewalt und Raub zu verüben.

Dieser Fall wirft ein grelles Licht auf die Gefahren von Online-Dating und die Missbrauchsmöglichkeiten durch kriminelle Gruppierungen. Die Justiz in Stuttgart steht nun vor der Herausforderung, die Taten umfassend aufzuklären und Gerechtigkeit für die Opfer zu schaffen, während gleichzeitig die Frage nach Präventionsmaßnahmen gegen solche digitalen Fallen immer dringlicher wird.

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