Goldspürhunde aus Ungarn bei Schatzsuche in Plate im Einsatz
Goldspürhunde aus Ungarn bei Schatzsuche in Plate

Eine Drohne zieht ihre Kreise über Plate, knapp oberhalb des Sportplatzes. Unter ihr ein Grundstück mit hoher Betonmauer, dahinter Ermittler, Technik, Spürhunde. Es ist ein Einsatz, der eher nach internationalem Kunstraub klingt als nach Dorfidylle. Und doch konzentriert sich hier, nahe Schwerin, erneut die Suche nach einem der spektakulärsten Beutedelikte der vergangenen Jahre: dem Goldschatz von Manching.

Hintergründe zur Aktion

Fast vier Jahre nach dem Einbruch in das Kelten Römer Museum in Manching haben die Kunstfahnder des bayerischen Landeskriminalamtes am Montag, 4. Mai, erneut ein Wohnanwesen in MV ins Visier genommen. Durchsucht wird seit den Morgenstunden das Grundstück des vermutlichen Haupttäters aus Plate sowie das seiner Lebensgefährtin. Neue Erkenntnisse hatten den Ausschlag für die großangelegte Aktion gegeben.

„Wir unternehmen heute noch einmal den Versuch, die restlichen Stücke des Goldschatzes von Manching zu finden. Bei einer der ersten Durchsuchungen konnte ein kleiner Teil gefunden werden, es fehlen aber immer noch 411 Goldmünzen“, erklärt Fabian Puchelt, Pressesprecher des Landeskriminalamtes Bayern. Rund 60 Einsatzkräfte sind vor Ort, die Suche ist auf mehrere Tage angelegt.

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Kriminalistische Feinarbeit im Millimeterbereich

Was sich dabei auf dem Gelände abspielt, gleicht kriminalistischer Feinarbeit im Millimeterbereich: Räume werden vermessen und mit Bauplänen abgeglichen, Möbel Stück für Stück zerlegt, um mögliche Verstecke aufzuspüren. Selbst die Bodenplatte des Hauses und das gesamte Grundstück werden mit modernster Radartechnik durchleuchtet. Parallel dazu kommen speziell ausgebildete Spürhunde zum Einsatz. Ein eher ungewöhnliches Mittel im Kampf gegen Kunstdiebstahl.

„Wir haben dieses Mal Cocker Spaniel und einen Schäferhund im Team, die als Goldspürhunde ausgebildet wurden. Sie kommen aus Ungarn, genauer gesagt gehören sie zum Nationalmuseum Budapest und sind in der Lage, Gold zu riechen. Das ist schon etwas sehr Besonderes“, so Fabian Puchelt.

Internationales Netzwerk unterstützt Ermittler

Doch nicht nur internationale Spezialisten sind vor Ort im Einsatz. Auch die Diensthundestaffel aus Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die Durchsuchung mit einem tierischen Spürsinn für eine ganz andere Fährte. Ein Banknotenspürhund sucht gezielt nach größeren Bargeldmengen, die nach Einschätzung der Ermittler ebenfalls auf dem Grundstück versteckt sein könnten. Denn neben dem verschwundenen Gold vermuten die Fahnder auch Erlöse aus früheren Taten vor Ort, verborgen in Hohlräumen, Mauern oder unter der Erde.

Unterstützt werden die bayerischen Ermittler von einem internationalen Netzwerk: Neben dem Bundeskriminalamt und Kräften aus Mecklenburg-Vorpommern ist auch eine von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geleitete „Heritage Crime Task Force“ beteiligt. Experten aus Kanada, Großbritannien, den USA und Ungarn arbeiten dabei Hand in Hand.

Ein Aufwand, der die besondere Bedeutung des Falls unterstreicht: „Es geht beim Goldschatz von Manching ja nicht nur um den Geldwert an sich, sondern dieser Schatz ist bayerisches Kulturgut. Der Keltenschatz hat einen sehr hohen historischen Stellenwert und wir wollen ihn zurück“, betont LKA-Sprecher Puchelt.

Der Hintergrund des spektakulären Diebstahls

In der Nacht zum 22. November 2022 drangen Täter in das Museum in Manching ein und entwendeten den größten keltischen Goldfund des 20. Jahrhunderts. Insgesamt 483 Münzen und einen Goldklumpen mit einem Gesamtgewicht von rund 3,7 Kilogramm. Archäologen hatten den Schatz erst 1999 entdeckt, später wurde er zum Herzstück der Ausstellung.

Nach intensiven Ermittlungen konnten vier Männer im Juli 2023 festgenommen werden. Das Landgericht Ingolstadt verurteilte sie wegen schweren Bandendiebstahls zu Haftstrafen zwischen vier Jahren und neun Monaten sowie elf Jahren. Hauptangeklagter ist ein 48-Jähriger aus Plate, genau dessen Grundstück nun erneut durchsucht wird. Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig.

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Ein Teil der Beute tauchte bereits auf: etwa 500 Gramm Gold, mutmaßlich eingeschmolzen. Auf die Frage, wo das Gold genau gefunden wurde, gab es vom LKA-Sprecher allerdings keine Antwort. Es gäbe jedoch den begründeten Verdacht, dass sich weiteres Gold auf dem Grundstück befindet. „Sonst wären wir heute nicht hier und auch nicht mit so großer Unterstützung“, hießt es vom bayerischen Landeskriminalamt.

Geldwäsche-Ermittlungen: Fokus auch auf Lebensgefährtin

Die aktuelle Durchsuchung läuft in einem neuen Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche. Im Fokus steht neben dem inhaftierten Haupttäter auch seine Lebensgefährtin, die laut Ermittlern von den Taten gewusst und beim Umgang mit dem mutmaßlich kriminell erlangten Geld geholfen haben soll.

Und während die nächsten Spürhunde ungeduldig auf ihren Einsatz warten und die Drohne weiter über dem Gelände kreist, bleibt die Hoffnung der Ermittler greifbar: „Es wäre wirklich ein riesengroßer Erfolg, wenn wir hier doch noch fündig werden und vor allem, wenn die restlichen Münzen unversehrt sind und nicht eingeschmolzen wurden“, betont Fabian Puchelt.