Grab eines Sternenkindes in Güstrow zerstört: Eltern fordern würdevollere Gestaltung
Ein schmerzlicher Anblick erwartete Stefanie und Nico Seidler aus Sternberg, als sie die letzte Ruhestätte ihres kleinen Sohnes Toni auf dem Güstrower Friedhof besuchten. Das Grab des Sternenkinds war beschädigt worden: Gestecke waren auseinandergerissen, Andachtsgegenstände fehlten, und eine weiße Engelsfigur lag zerstört daneben. „Das ist eine totale Sauerei!“, äußerte Nico Seidler seine Trauer und Wut über den Vandalismus.
Wiederholter Vandalismus auf dem Sternenkinder-Feld
Bei Sternenkindern handelt es sich um Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Für die Eltern sind diese Gräber besonders sensible Orte der Erinnerung. Laut den Seidlers ist dies nicht das erste Mal, dass ein Grab auf dem Güstrower Friedhof beschädigt wurde. „Wir sind ja nicht die einzigen. Zum einen liegen da noch andere Sternenkinder. Und vor einigen Jahren ist das schon einer anderen Mutti passiert“, berichtete Nico Seidler. Bereits im Jahr 2021 war es mehrfach vorgekommen, dass Grabschmuck und Pflanzen von den Gräbern der Sternenkinder gestohlen worden waren.
Die Familie fühlt sich mit der Situation alleingelassen, da die Friedhofsverwaltung nach ihren Angaben wenig Unterstützung bietet. „Die Friedhofsverwaltung sagt, sie könne da nichts machen“, so die enttäuschten Eltern.
Pläne für eine würdevollere Neugestaltung
Nico Seidler kritisiert zudem den aktuellen Zustand des für Sternenkinder vorgesehenen Grabfeldes und möchte selbst aktiv werden. Er plant die Installation einer speziellen Platte mit einer angeschraubten Tafel und einer persönlichen Inschrift. „An die linke Seite kommt ein Regenbogen, den Besucher selbst ausmalen können. An die rechte Seite ein Stern aus Beton. Und in die Mitte unsere Engelsfigur“, beschreibt er sein Vorhaben. Das neue Grabmal soll nicht nur würdevoller gestaltet sein, sondern auch besser vor Vandalismus geschützt werden. Im Frühjahr möchte er die Platte zum Grab seines Sohnes bringen und hat vor, sich mit der Friedhofsverwaltung in Verbindung zu setzen.
Friedhofsverwaltung sieht kaum Probleme mit Vandalismus
Die Friedhofsverwaltung in Güstrow zeigt sich hingegen überrascht. Holger Büttner von der Verwaltung erklärte, dass der geschilderte Vorfall bislang nicht bekannt sei. „Das Gräberfeld für die Sternenkinder ist in einem sehr ordentlichen Zustand“, betonte er. Generell sei Vandalismus in den vergangenen Jahren kaum vorgekommen, auch wenn es vereinzelt zu Beschädigungen an Blumenschmuck oder Gegenständen auf Grabstellen komme.
Unterstützungsangebote für betroffene Eltern
Für Eltern von Sternenkindern gibt es verschiedene Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten:
- Die Beratungsstelle von Profamilia Güstrow begleitet bei Fehl- oder Totgeburten.
- Die Initiative Regenbogen „Glücklose Schwangerschaft“ bietet Hilfe an.
- Unterstützung ist über die Krankenhausseelsorge im Klinikum Güstrow möglich.
- In sozialen Netzwerken finden Betroffene Austausch, etwa über den Instagram-Account „sternenkind.liebe“ einer Hebamme oder den christlich geprägten Account „mit.ohne.leben“.
Die Situation in Güstrow zeigt, wie wichtig ein respektvoller Umgang mit den Gräbern von Sternenkindern ist, und unterstreicht den Bedarf an besserem Schutz und würdevollerer Gestaltung dieser sensiblen Orte.



