Graffiti in Rostock: Legale Wände gegen Vandalismus?
Graffiti in Rostock: Legale Wände gegen Vandalismus?

Graffitis prägen das Rostocker Stadtbild – an Unterführungen, Stromkästen und Hauswänden. Meist sind sie illegal. Die Rostocker Bürgerschaft will nun in der Maisitzung über einen Antrag beraten, der die Prüfung weiterer legaler Graffiti-Flächen (Legal Walls) im gesamten Stadtgebiet vorsieht. Der Vorstoß kommt aus der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Ziel ist es, illegale Schmierereien einzudämmen und zugleich legale Angebote für künstlerische Gestaltung zu schaffen.

Zehntausende Arbeitsstunden und hohe Schadenssummen

Der Antrag beauftragt die Oberbürgermeisterin, gemeinsam mit städtischen Unternehmen geeignete Standorte zu identifizieren und perspektivisch bereitzustellen. Das Ergebnis der Prüfung soll der Bürgerschaft spätestens im vierten Quartal 2026 vorgelegt werden. Vandalismus und illegale Graffitis sind ein wachsendes Problem in der Hansestadt. „Die Schäden beeinträchtigen nicht nur das Stadtbild und das Sicherheitsgefühl vieler Menschen, sondern binden auch erhebliche Mittel, die an anderer Stelle dringend benötigt würden“, gab Finanz- und Ordnungssenator Dr. Chris von Wrycz Rekowski (SPD) gegenüber dem Nordkurier an.

Der kommunale Eigenbetrieb KOE verzeichnete von 2020 bis Ende 2025 über 380 Schadensmeldungen an städtischen Objekten. Die Beseitigungskosten summieren sich auf rund 210.000 Euro. Allein an Schulen fielen über 36.000 Euro für die Beseitigung von Graffiti und Glasbruch an. Zudem werden schätzungsweise jährlich rund 12.540 Arbeitsstunden für Reparaturen aufgewendet – Zeit, die laut Schul- und Sportsenator Steffen Bockhahn (parteilos) eigentlich der Pflege und Verbesserung der Lernumgebung dienen sollte.

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Wunsch nach legalen Wänden ist ein wichtiges Thema

Ein Änderungsantrag der Fraktion BÜNDNIS 90/Die Grünen.Volt ergänzt den CDU-Vorstoß: Bei der Prüfung sollen der Kinder- und Jugendbeirat sowie das „Rostocker Netzwerk der legalen Graffiti Spots“ einbezogen werden. Die Begründung: Eine frühe Beteiligung von Jugendlichen und Sprayern soll dazu beitragen, dass die Flächen tatsächlich genutzt werden und am Bedarf ausgerichtet sind.

Kristina Koebe hat gemeinsam mit Akteuren der Jugend- und Sozialarbeit das Netzwerk für freie, legale Graffitiwände gegründet. „Der Wunsch nach freien legalen Wänden ist ein wichtiges Thema für Rostock, das bisher noch wenig Lobby hat“, sagt sie. Ziel des Netzwerkes sei es, in allen Stadtteilen Flächen zu schaffen, die als Treffpunkte der Szene dienen und Jugendlichen Ausdrucksmöglichkeiten bieten.

Übersicht: Hier darf legal gesprüht werden

In Rostock gibt es nach Angaben der Stadt freie Flächen, an denen sich Sprayer unter Einhaltung bestimmter Vorgaben ausprobieren dürfen. Die Wände befinden sich an folgenden Standorten:

  • Sporthalle Walter-Butzek-Straße 1: Nur die Sporthalle ist freigegeben, keine Freigabe für die zur Polizei geneigte Halle; nur Außenwände (keine Fenster und Türen).
  • Sporthalle Kurt-Schumacher-Ring 161: Nur Rückwand.
  • Sporthalle Alte Warnemünder Chaussee 7: Außenwände (keine Fenster und Türen).
  • Sporthalle Gerüstbauerring 27: Bis zur Sanierung sind Vorder- und Rückseite freigegeben (keine Fenster und Türen).

Weitere Informationen: https://www.graffiti-in-rostock.de/legale-waende.php (nicht aktiv)

Schulsozialarbeiter Jendrik Werdt von der Störtebeker-Schule in Groß Klein ist überzeugt, dass legale Flächen Sinn machen. Er berichtet, dass hier deutlich weniger Vandalismusschäden zu verzeichnen seien, seit es die legalen Flächen im Viertel gibt. Auch der Rostocker Graffiti-Künstler Cosmo Colors befürwortet den Antrag: „Gerade in den Stadtteilen, wo es kaum Möglichkeiten für die Jugend gibt, ist das wirklich eine gute Sache.“

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Die Kehrseite der Medaille: Folgeprobleme

Aktuell gibt es in Rostock nur wenige legale Flächen. Der städtische Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung (KOE) verweist auf Erfahrungen mit gesteuerten Gestaltungen an öffentlichen Gebäuden, die Vandalismusschäden vorbeugen können – aber nicht müssen. So hat die Stadt zuletzt die Turnhallenwand in der Elisabethstraße (KTV) nicht länger als legale Sprayfläche freigegeben. Grund sind wiederholte Sachbeschädigungen und Verschmutzungen. Laut Nicole Mielke vom Amt für Schule und Sport führten auch nächtliche Ruhestörungen, Vandalismus in Schultoiletten und Müll zu Mehraufwand und Kosten. „Seitdem die Halle freigegeben ist, haben wir nur Probleme“, fasste es Mandy Maria Hamann, Leiterin der Grundschule, kürzlich gegenüber dem Nordkurier zusammen.

Fazit: Chancen und Risiken

Illegale Graffitis kosten die Stadt viel Geld und Zeit. Zusätzliche „Legal Walls“ könnten nach Meinung einiger Abhilfe schaffen und gleichzeitig Begegnungsorte für die Jugend darstellen. Aber, so die Gegenmeinung, sie bergen auch das Risiko von Folgeproblemen wie nächtlicher Ruhestörung oder Vermüllung. Am 13. Mai wird die Bürgerschaft in ihrer Sitzung zum Thema debattieren und über den Antrag bescheiden.