Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg erstmals nachts geschlossen – Proteste begleiten Einführung
Görlitzer Park erstmals nachts geschlossen trotz Protesten

Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg erstmals nachts geschlossen – Proteste begleiten Einführung

Nach langen und kontroversen Debatten sowie zahlreichen Protesten ist der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg erstmals nachts geschlossen worden. Die umstrittene Maßnahme, die bereits im September 2023 vom Berliner Senat angekündigt wurde, trat am Sonntagabend in Kraft und markiert einen bedeutenden Wendepunkt in der städtischen Sicherheitspolitik.

Protestkonzert und friedliche Demonstrationen

Am Abend der ersten Schließung versammelten sich mehrere hundert Menschen zu einem Protestkonzert unter dem Motto „Rave against the Zaun“. Die Demonstranten zeigten Transparente mit Slogans wie „Kai Wegner lügt Dich an“ und skandierten in Sprechchören: „Der Görli bleibt auf.“ Redner forderten, dass die finanziellen Mittel für die Eingangstore und den Wachschutz stattdessen in soziale Projekte fließen sollten. Eine Rednerin kündigte zudem an, gegen die Schließungsverordnung vor Gericht zu klagen. Trotz Aufrufen zu Beschädigungen an Zäunen und Toren verlief die Veranstaltung zunächst friedlich.

Polizeieinsatz und Kommunikationsstrategie

Die Polizei war mit 200 Einsatzkräften im Park und der Umgebung präsent, wie Sprecher Jörn Iffländer mitteilte. Ab 22.00 Uhr verließen viele Demonstranten freiwillig die Anlage, und gegen 22.45 Uhr forderten die Beamten die verbliebenen Parkbesucher auf, nach Hause zu gehen. Die Polizei betonte, dass sie in den kommenden Wochen auf Kommunikation und Augenmaß setzen werde. Bei Bedarf sollen Menschen auch aus dem Park hinausbegleitet werden, während ein privater Wachdienst für das nächtliche Schließen der 16 Eingänge verantwortlich ist.

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Hintergrund und politische Kontroversen

Der Berliner Senat aus CDU und SPD hatte die nächtliche Schließung 2023 beschlossen, um den Drogenhandel und weitere Kriminalität im Park einzudämmen. Die Polizei erhofft sich eine leichtere Strafverfolgung, da der große Park nachts nicht mehr als Versteck für Dealer dienen kann. Allerdings protestierten der von den Grünen geführte Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sowie linke Initiativen vehement gegen die Pläne. Sie argumentieren, dass der Drogenhandel dadurch lediglich in umliegende Wohngegenden verlagert wird.

Beschädigungen und wissenschaftliche Evaluation

Bereits einen Tag vor der ersten Schließung wurden Zaun und Eingänge des Parks beschädigt. Täter durchtrennten einen Halterungsbolzen an einem Schwenktor, und auf einer Protest-Internetseite wurden zudem zugklebte Schlösser und ein deformiertes Drehkreuz gemeldet. Parallel dazu soll eine wissenschaftliche Evaluation die Wirksamkeit der nächtlichen Schließung untersuchen, mit Ergebnissen, die bis Ende des Jahres erwartet werden.

Künftig sollen die Eingänge jeden Abend um 22.00 Uhr verschlossen werden, wobei das Verlassen des Parks über Drehtüren weiterhin möglich bleibt. Diese Maßnahme stellt einen tiefgreifenden Eingriff in das städtische Leben dar und wird voraussichtlich weiterhin für hitzige Diskussionen sorgen.

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