Görlitzer Park in Berlin erstmals nachts geschlossen: Senat setzt Maßnahmen gegen Drogenhandel um
Görlitzer Park nachts geschlossen: Senat gegen Drogenhandel

Görlitzer Park in Berlin erstmals nachts geschlossen: Senat setzt Maßnahmen gegen Drogenhandel um

Der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg, landläufig als »Görli« bekannt, ist eine feste Institution im Kiez – doch gleichzeitig auch ein bekannter Umschlagplatz für Drogen. Nun hat der Berliner Senat aus CDU und SPD seine lange angekündigte Drohung wahr gemacht: Seit dem 2. März 2026 bleibt der Park nachts geschlossen. Ab 22 Uhr stehen Polizisten an den Eingängen und lassen nur noch Menschen heraus, aber niemanden mehr hinein. Später werden die meisten Tore komplett abgeschlossen.

Jahrelange Debatten münden in konkrete Maßnahmen

Bereits 2023 hatte der Senat beschlossen, den Görlitzer Park wegen des anhaltenden Drogenhandels und weiterer krimineller Aktivitäten nachts zu schließen. Die Polizei erhofft sich von dieser Maßnahme eine deutlich erleichterte Strafverfolgung. Der große Park kann nachts nicht mehr als Versteck für Dealer und andere Straftäter dienen, was die Kontrolle und Überwachung erheblich vereinfachen soll.

Künftig sollen alle 16 Eingänge jeden Abend mit speziell neu gebauten Toren verschlossen werden. Das Verlassen des Parks bleibt auch nach Schließung über Drehtüren möglich. Für das Schließen der Tore und die nächtliche Überwachung ist ein privater Wachdienst zuständig, der bei Bedarf das Ordnungsamt oder die Polizei informieren wird.

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Proteste und Demonstrationen begleiten die Einführung

Am Abend der ersten Schließung versammelten sich mehrere hundert Menschen zu einer Demonstration gegen die angekündigte Maßnahme. Die Protestveranstaltung wurde teilweise von einem Vertreter der Grünen moderiert und stand unter dem Motto »Rave against the Zaun«. Auf Transparenten war unter Verweis auf den Regierenden Bürgermeister zu lesen: »Kai Wegner lügt Dich an«. Immer wieder skandierten die Demonstranten in Sprechchören: »Der Görli bleibt auf.«

Die Redner forderten, das Geld für die Eingangstore und den Wachschutz stattdessen in soziale Projekte zu investieren. Trotz Aufrufen zu Beschädigungen der Zäune und Tore verlief die Demonstration insgesamt friedlich. Die Polizei nahm lediglich eine Person wegen des Verdachts eines tätlichen Angriffs fest.

Polizeieinsatz mit Augenmaß und Kommunikation

Seit dem frühen Abend waren etwa 200 Polizisten im Park und der umliegenden Gegend im Einsatz. Ab 22 Uhr verließen viele Demonstranten freiwillig die Anlage. Gegen 22:45 Uhr forderten die Einsatzkräfte die verbliebenen Parkbesucher auf, nach Hause zu gehen. Ein Polizeisprecher betonte: »Gerade am Anfang muss man mit Augenmaß reagieren. Wir sprechen die Menschen an und fordern sie, wenn nötig, auf, den Park zu verlassen.«

Auch in den kommenden Wochen wird die Polizei den Wachschutz unterstützen und dabei weiter auf Kommunikation setzen. Zur Not sollen Menschen auch aus dem Park hinausbegleitet werden.

Kritik und wissenschaftliche Evaluation

Der von den Grünen geführte Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sowie mehrere linke Initiativen protestierten in den vergangenen zweieinhalb Jahren kontinuierlich gegen die Schließungspläne. Sie argumentieren, dass der Drogenhandel durch die nächtliche Schließung noch stärker in die Hauseingänge und Hinterhöfe der umliegenden Wohngegenden verdrängt werde, anstatt tatsächlich bekämpft zu werden.

Um die Wirksamkeit der Maßnahme zu überprüfen, soll eine wissenschaftliche Evaluation durchgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden bis Ende des Jahres erwartet und sollen Aufschluss darüber geben, ob die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks tatsächlich zu einer Reduzierung von Drogenhandel und Kriminalität führt oder ob alternative Lösungen gefunden werden müssen.

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