Kripo Live enthüllt: Größtes Fälscher-Duo Mitteldeutschlands durch raffinierten SEK-Einsatz gefasst
Größtes Fälscher-Duo Mitteldeutschlands durch SEK gefasst

Größtes Fälscher-Duo Mitteldeutschlands: SEK enthüllt raffinierte Ermittlungsmethoden

In einer spektakulären Enthüllung der MDR-Sendung "Kripo Live – Tätern auf der Spur" berichtet ein SEK-Beamter detailliert, wie die größten Fälscher Mitteldeutschlands nach jahrelanger krimineller Tätigkeit gefasst wurden. Zwei junge Männer aus Magdeburg hatten unter dem Namen "Fake-ID Dobby" einen florierenden Darknet-Shop betrieben, der gefälschte Dokumente und Rezepte in ganz Europa vertrieb.

Jahrelange kriminelle Karriere im Darknet

Seit Ende 2017 agierten die beiden Magdeburger unbehelligt im verborgenen Teil des Internets, der nur mit spezieller Software zugänglich ist. Ihr digitaler Shop bot ein umfangreiches Sortiment:

  • Gefälschte Personalausweise aus Deutschland, Italien, Österreich und Tschechien
  • Vorläufige deutsche Personalausweise
  • Privatrezepte für verschreibungspflichtige Medikamente nach Kundenwunsch

Die gefälschten Dokumente dienten später zur Begehung weiterer Straftaten und fanden Abnehmer in verschiedenen kriminellen Milieus – von der türkischen Call-Center-Mafia bis hin zu gesuchten Mördern.

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Raffinierte Ermittlungsstrategie der Behörden

Erst Anfang 2021 gelang den Ermittlern der Durchbruch. Ausgangspunkt war eine Internetstreife der Bundespolizei, die im Darknet auf den Shop "Fake-ID Dobby" aufmerksam wurde. Die Beamten entwickelten eine ausgeklügelte Strategie:

  1. Kontaktaufnahme unter Vortäuschung eines Kaufinteresses
  2. Testkauf gefälschter Dokumente zur Beweissicherung
  3. Analyse des Postweges mit entscheidendem Hinweis auf den Postleitzahlenbereich 39 (Magdeburg)

Ein gekaufter österreichischer Ausweis enthielt ein gefälschtes Folien-Element, das bereits Jahre zuvor in einer kontrollierten Warensendung aus China aufgetaucht war. Die damalige Empfängeradresse führte zu einem Luca S. in Magdeburg – für die Ermittler kein Zufall.

Amazon-Bestellungen als heiße Spur

Die gefälschten Rezepte brachten die Ermittler auf eine entscheidende Spur. Die Täter verwendeten echte Blankodokumente, die frei erhältlich bei Amazon sind. Nur die Eintragungen und Arztstempel waren gefälscht. Nach Kontaktaufnahme mit Amazon erhielten die Ermittler Einblick in das Kundenkonto:

  • Mehrere hundert Rezeptformulare seit 2018
  • Chemikalien für Fälschungen
  • Verschiedene Drucker und Spezialgeräte
  • Abweichende Lieferadresse in einem Magdeburger Gewerbegebiet

Die Observation des gemieteten Büros brachte mit Markus K. eine zweite Person ins Visier der Ermittler, die dort regelmäßig ein- und ausging.

Spektakulärer Zugriff mit GSG9-Unterstützung

Nach weiteren Testkäufen zur Beweissicherung erfolgte der Zugriff mit Unterstützung der Spezialeinheit GSG9. Ein Ablenkungsmanöver mit Geräuschen vor dem Gebäude verschaffte den Einsatzkräften den entscheidenden Moment. Einer der Männer wurde direkt am geöffneten Computer überrascht – ohne Gelegenheit, Daten zu löschen oder Geräte vom Strom zu trennen.

Obwohl ein Teil der Festplatte passwortgeschützt blieb, reichten die sichergestellten Beweise für eine Verurteilung aus. Das Landgericht Magdeburg verurteilte die beiden Männer wegen fast 600 Fällen der Urkundenfälschung zu jeweils knapp vier Jahren Freiheitsstrafe. Ihr jahrelanges Geschäft mit falschen Papieren war damit endgültig beendet.

Die MDR-Dokumentation "Kripo live – Tätern auf der Spur: Falsche Papiere, echte Versprechen" zeichnet diesen komplexen Ermittlungsfall detailliert nach und gibt seltene Einblicke in die Arbeit von SEK und Bundespolizei bei der Bekämpfung von Cyberkriminalität im Darknet.

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