Neue Missbrauchsvorwürfe erschüttern Kinderheim nach Mordfall
Das Kinderheim St. Josef in Wunsiedel steht erneut im Zentrum polizeilicher Ermittlungen. Drei Jahre nach dem grausamen Mord an der zehnjährigen Lena Z. wurde nun der Heimleiter Peter H. (49) festgenommen. Der staatlich geprüfte Kinderpfleger soll über Jahre hinweg einen neunjährigen Schützling schwer sexuell missbraucht haben.
Ermittlungen am Wohnort des Beschuldigten
Staatsanwalt Dr. Andreas Cantzler gab bekannt, dass die mutmaßlichen Taten nicht in dem Kinderheim in Wunsiedel, sondern am privaten Wohnort des Mannes in Hof stattgefunden haben sollen. Die Mutter des betroffenen Jungen hatte bereits im Herbst 2025 Anzeige erstattet. Bei einer Durchsuchung der Privaträume des Beschuldigten konnten laut Polizei Oberfranken mehrere Beweismittel für die Übergriffe in den Jahren 2023 bis 2025 sichergestellt werden.
Ein Ermittlungsrichter am Amtsgericht Hof erließ daraufhin Haftbefehl gegen den 49-Jährigen. Der Missbrauch soll im selben Jahr begonnen haben, in dem Lena tot in einem Zimmer des Heims aufgefunden worden war.
Vergangenheit holt das Heim ein
Im April 2023 war die zehnjährige Lena zunächst von einem ehemaligen Heimbewohner vergewaltigt und dann von einem damals elfjährigen Jungen erwürgt worden. Richter Christoph Feulner hatte bei der Verurteilung des erwachsenen Täters zu siebeneinhalb Jahren Haft betont, dass die Taten im besonderen Schutzbereich der Kinder begangen wurden. Der minderjährige Mörder konnte aufgrund seines Alters nicht bestraft werden.
Heimleiter Peter H. hatte im damaligen Prozess vor dem Landgericht Hof noch als Zeuge ausgesagt und den minderjährigen Täter verteidigt. Neben seiner Tätigkeit im Kinderheim bot er als Selbstständiger systemische Familientherapie an.
Arbeitgeber reagiert umgehend
Die Katholische Jugendfürsorge (KJF) der Diözese Regensburg, Träger des Kinderheims, erfuhr bereits im Dezember von dem Verdacht einer Sexualstraftat durch den leitenden Mitarbeiter. Sprecherin Christine Allgeyer bestätigte, dass Peter H. umgehend vom Dienst freigestellt wurde. Bis zum Abschluss der Ermittlungen gelte jedoch die Unschuldsvermutung. Der Verteidiger des Beschuldigten war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Vater zeigt sich schockiert
Lenas Vater Werner Z. (54) reagierte bestürzt auf die jüngsten Enthüllungen. Er äußerte gegenüber Medien sein Unverständnis darüber, dass seine Tochter in einem Heim untergebracht wurde, in dem mutmaßlich Kinder von Personen aus der Führungsebene sexuell missbraucht werden sollen. Die damaligen Ermittlungen gegen Verantwortliche im Fall Lena waren allesamt eingestellt worden.
Die neuen Vorwürfe werfen erneut schwerwiegende Fragen zum Schutz von Kindern in Einrichtungen auf und belasten das bereits durch den Mordfall traumatisierte Kinderheim zusätzlich. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Polizei Oberfranken dauern an.



