Hilfeschreie im Regionalzug: Bewaffneter Angreifer vor Gericht
Hilfeschreie im Zug: Bewaffneter vor Gericht

Seit Donnerstag muss sich ein 31-jähriger Mann vor dem Landgericht Neubrandenburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schweren Raub, Körperverletzung und weitere Delikte vor. Der Vorfall ereignete sich am 9. November 2025 in einem Regionalzug zwischen Berlin und Stralsund und sorgte damals für Schlagzeilen.

Angriff im überfüllten Zug

Der Angeklagte stieg laut Ermittlungen vor Pasewalk in den vollen Regionalzug ein. Da ein geplanter Intercity ausgefallen war, war der Zug stark überfüllt. Der mutmaßliche Täter setzte sich in die erste Klasse und provozierte zunächst mit einer lauten Bassbox die anderen Fahrgäste. Als diese sich beschwerten, begann er, Pistazienkerne zu werfen. Ein Zeuge, der 46-jährige Wissenschaftler Steve Strupeit, beschrieb die Situation: „Der war von Beginn an auf Krawall aus.“

Als Strupeit den Mann zur Rede stellte, kam es zu einem Gerangel um ein Handy. Eine schwedische Reisende filmte die Auseinandersetzung. Der Angeklagte bemerkte dies und schlug der Frau mehrfach ins Gesicht. Anschließend kehrte er zu Strupeit zurück, entriss ihm seinen Rucksack und flüchtete. Der Zeuge verfolgte ihn, ließ aber ab, als der Täter ein Messer zog. Der 31-Jährige stieg in Jatznick aus, wo ihn die Bundespolizei noch am selben Tag festnehmen konnte.

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GPS führt zur Beute

Strupeit fuhr weiter bis Greifswald und konnte seinen Rucksack mit Laptop, Tablet und Schlüsseln über die GPS-Funktion seines iPads orten. Er erhielt alle Gegenstände zurück, nur etwa 100 Euro Bargeld fehlten. Der Angeklagte befindet sich seit der Tat in Untersuchungshaft.

Angeklagter räumt Taten ein

Vor Gericht wollte sich der Angeklagte zunächst nicht persönlich äußern. Sein Verteidiger Benediktus Youn verlas eine Erklärung, in der der Mandant die Vorwürfe „weitgehend einräumt“. Er bedauere den Vorfall, könne sich aber nur „rudimentär“ daran erinnern, da er unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden habe. „Ja, er war in dem Zug, und ja, er hatte auch den Rucksack weggenommen“, so der Anwalt. Das Messer trage der Angeklagte stets bei sich. Der kahlrasierte Mann, der Fußfesseln trägt, ließ keine Fragen der Richter oder Staatsanwaltschaft zu. Eine persönliche Entschuldigung beim Zeugen sprach er nicht aus.

Polizeibekannter Täter

Die Bundespolizei beschrieb den Angeklagten als „gewalttätig und bewaffnet“. Er war bereits wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zur Fahndung ausgeschrieben. Bei seiner Festnahme wurden Drogen wie Amphetamin, Opiate und Kokain in seiner Zelle gefunden. Ein Atemalkoholtest ergab 0,77 Promille. Neben dem Wissenschaftler wurden zwei weitere Frauen geschlagen, die ihm im Weg standen. Der Prozess wird am 15. Mai fortgesetzt, ein Urteil wird Ende Mai erwartet.

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