Lebenswichtige Hilfe: Kostenstreit wird zum Überlebenskampf
Dreimal wöchentlich muss ein nierenkranker Patient aus dem Neubrandenburger Umland zur Dialyse. Doch der anhaltende Vergütungsstreit gefährdet seine Behandlung. Die Familie des 73-jährigen Gerd Nikolaczek aus Brunn bei Neubrandenburg steht vor einer kaum tragbaren Situation. Seit Wochen springen seine Töchter ein, um die Fahrten zum Nierenzentrum zu übernehmen, nachdem der bisherige Fahrdienst seine Leistungen eingestellt hat.
Fahrdienst-Absage zwingt Familie zum Handeln
„Wir wissen nicht, wie lange wir das stemmen können“, sagt Tochter Mandy Nikolaczek. Sie und ihre Schwester wechseln sich ab, um den Vater an den Behandlungstagen früh um 6 Uhr abzuholen, zum Nierenzentrum zu fahren und ihn mittags wieder nach Hause zu bringen. Das muss mit dem Berufsalltag vereinbart werden, bedeutet lange Tage und hohe Kosten. Zunächst hielt die Familie die Ankündigung des Fahrdienstes für einen Scherz, doch es war bitterer Ernst: Der Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe hatte die Rahmenvereinbarung für Krankenfahrten gekündigt, nachdem Vergütungsverhandlungen mit den Krankenkassen gescheitert waren.
Vorkasse übersteigt die Rente
Die Hoffnungen der Familie auf Unterstützung durch die Krankenkasse des Vaters zerschlugen sich. Auf wiederholte Anrufe und persönliche Vorsprache in der Geschäftsstelle erhielt Mandy Nikolaczek lediglich eine Liste von Unternehmen, von denen viele keine neuen Patienten mehr annahmen oder gar nicht mehr für Krankenfahrten zur Verfügung standen. Der Rat, in Vorkasse zu gehen, würde monatliche Kosten von fast 1.500 Euro bedeuten – mehr als die Rente des Vaters. „50 Jahre war mein Vater nie krank, aber jetzt, wo es ihm schlecht geht, werden wir im Stich gelassen. So darf doch ein Menschenleben nicht abgewertet werden“, beklagt die Tochter.
Auswirkungen des Vergütungsstreits
Der Konflikt betrifft nicht nur Nierenkranke, sondern auch Krebspatienten in Chemotherapie, Rheuma- und Schmerzpatienten. In Mecklenburg-Vorpommern werden die niedrigsten Vergütungen für Krankenfahrten in Deutschland gezahlt – bis zu 30 Prozent unter dem Niveau anderer Bundesländer. Zwar gab es zuletzt ein Signal der Taxi- und Mietwagenunternehmen, ihre Tarifforderungen zu senken, doch die Unsicherheit bleibt. Die Familie Nikolaczek hofft auf eine schnelle Lösung, denn die Belastung ist enorm: „Wir haben Verständnis für die Unternehmen, aber am Ende bleiben wir komplett auf der Strecke.“



