Teheran – Steht die US-Marine in der Straße von Hormus vor einer ungewöhnlichen Bedrohung? Das iranische Regime erwägt offenbar den Einsatz von Kampf-Delfinen, die mit Sprengminen bestückt werden sollen. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, könnten die Tiere als Kamikaze-Waffen gegen amerikanische Kriegsschiffe eingesetzt werden. Hintergrund ist die Seeblockade der USA, die Irans Ölexporte seit Wochen nahezu vollständig zum Erliegen gebracht hat.
Iran droht mit Delfin-Attacken
Neben bereits bekannten Drohungen wie U-Boot-Angriffen und der Kappung von Unterseekabeln steht nun auch der Einsatz von trainierten Delfinen im Raum. Die Meeressäuger sollen gezielt Schiffe attackieren und Sprengladungen an deren Rümpfen anbringen. Auch sogenannte Kamikaze-Angriffe, bei denen die Delfine selbst sterben, wären möglich. Das Regime in Teheran verfügt nach Erkenntnissen von Geheimdiensten über entsprechende Kapazitäten, die auf ein früheres sowjetisches Programm zurückgehen sollen.
Historische Vorbilder und aktuelle Praxis
Die Idee, Delfine im Krieg einzusetzen, ist nicht neu. Bereits um das Jahr 2000 soll der Iran Tiere übernommen haben, die ursprünglich für die sowjetische Marine trainiert wurden. Diese konnten nicht nur Minen orten, sondern auch aktiv angreifen – etwa mit Harpunen oder Sprengsätzen. Auch die USA und Russland betreiben eigene Programme, in denen vor allem Große Tümmler trainiert werden. Wegen ihrer Echoortung und Schnelligkeit gelten Delfine als besonders effektiv bei der Minensuche und Unterwasseraufklärung. Sie bilden oft die letzte Verteidigungslinie in militärisch gesicherten Häfen.
Im Irakkrieg 2003 kamen US-Delfine im Hafen von Umm Kasr zum Einsatz und spürten laut US-Marine mehr als 100 Seeminen auf. Auch zur Abwehr von Saboteuren werden sie genutzt: Die Tiere können feindlichen Kampftauchern Markierungsbojen anheften, die diese an die Wasseroberfläche ziehen und für Soldaten sichtbar machen. Russland verlegte 2022 trainierte Delfine in den Hafen von Sewastopol auf der Krim, um Kriegsschiffe vor ukrainischen Kampftauchern zu schützen.
Der mögliche Einsatz von Kamikaze-Delfinen durch den Iran würde eine neue Eskalationsstufe im Konflikt um die Straße von Hormus darstellen. Die USA haben ihre Militärpräsenz in der Region bereits verstärkt.



