Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette wegen schweren Raubes hat die Angeklagte das Leid der Opfer anerkannt, ohne jedoch eine Beteiligung an den Taten einzuräumen. Vor dem Landgericht Verden sagte sie in ihrem Plädoyer, es tue ihr „wirklich sehr leid“ und sei „zu bedauern“, wie schwer einige der Geschädigten noch heute unter den Geschehnissen litten. Sie habe nicht gewusst, dass Geldboten und Kassenpersonal keine ausreichenden psychologischen Unterstützungen von ihren Arbeitgebern bekämen.
Klette: Raubüberfälle waren fürs Überleben notwendig
Klette verteidigte die Raubüberfälle als notwendig, um im Untergrund überleben zu können. Die Taten hätten nichts mit „Abenteuerlust“ zu tun gehabt, sagte sie. Ausführlich sprach sie davon, wie sie und Gleichgesinnte die vergangenen Jahrzehnte erlebten. Dabei erklärte sie, dass sie sich selbst als Opfer des politischen Systems sieht. Nur in der Illegalität hätten sie und andere die Möglichkeit gehabt, als radikale Linke weiterzubestehen, sagte sie.
Indirekte Schuldzuweisung an die Gesellschaft
Demnach erwartete Klette nicht, dass Betroffene infolge der Raubüberfälle schwere psychische Probleme bekommen könnten. Indirekt stellte sie auch die Frage, ob die vor Gericht geschilderten Folgen tatsächlich nur auf die Überfälle zurückzuführen sind. Es gebe immer mehr traumatisierte Menschen in der Gesellschaft, sagte sie. Als Gründe nannte sie unter anderem Armut, Kriege, Unterdrückung von Minderheiten und Rassismus.
Laut Anklage soll Klette mit ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zwischen 1999 und 2016 maskiert und teils schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte in mehreren Städten überfallen haben. Dabei soll die Bande mehr als zwei Millionen Euro erbeutet haben.



