Ein Dokumentarfilm über Egon Krenz (89), den letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR, sorgt für heftige Empörung. Kritiker werfen dem Regisseur Lutz Pehnert (64) vor, ein geschöntes Bild der DDR zu zeichnen und die Opfer der Mauer zu verhöhnen. Die CDU kritisiert die Förderung des Projekts mit Steuergeldern.
Film „Kommunist“ beim Filmkunstfest in Schwerin uraufgeführt
Der Film „Kommunist“ hatte seine Uraufführung beim Filmkunstfest in Schwerin. Burkhard Bley (60), Landesbeauftragter für Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, bezeichnet den Film als „misslungen“. Er liefere keinen differenzierten Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sondern vermittele bewusst ein geschöntes Bild der DDR, unterschlage historische Fakten und bediene sich manipulativ der Bildsprache der DDR-Propaganda.
Bley erinnert an Mauertote und politische Häftlinge
Bley erinnert an die Mauertoten und etwa 250.000 Menschen, die in politischer Haft saßen und heute noch unter den Folgen leiden. Der Film und sein Protagonist Egon Krenz verhöhnten „hunderte Todesopfer des unmenschlichen Grenzregimes und ihre Angehörigen“. Der Film wurde vom rbb produziert und vom Deutschen Filmförderfonds des Kulturstaatsministers mit knapp 60.000 Euro gefördert, wie der NDR berichtet. Die MV-Filmförderung habe das Projekt mit weiteren 70.000 Euro unterstützt.
Kritik an Steuergeldförderung
Die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Katy Hoffmeister (53), kritisiert: „Es kann nicht Aufgabe staatlicher Förderung sein, die Legenden ehemaliger SED-Kader mit Steuergeld aufzupolieren.“ Der Film vermittle jungen Menschen ein gefährlich verzerrtes Bild der DDR. Das Kulturministerium Mecklenburg-Vorpommern teilte mit, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Film sei wichtig. Die Förderentscheidung obliege einem staatlich unabhängigen, fachkundigen Vergabegremium.
Regisseur Pehnert verteidigt seinen Ansatz
Regisseur Pehnert sagte dem NDR, sein Dokumentarfilm sei keine journalistische Produktion, sondern ein filmischer Essay. Er habe kein Interesse an einem weiteren Aufarbeitungsfilm gehabt, sondern Krenz in seiner Widersprüchlichkeit porträtieren wollen. „Ein Dokumentarfilm leistet sich eine andere Herangehensweise. Und das schließt natürlich ein, dass man nicht alle Aspekte, die man vielleicht von einem solchen Thema erwartet, erfüllen kann.“



