Die Entscheidung über die Auslieferung der verurteilten Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich von Tschechien nach Deutschland nimmt konkrete Formen an. Das Landgericht in Pilsen (Plzen) hat für den 18. Mai eine öffentliche Verhandlung in dieser Sache anberaumt, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. Ob noch am selben Tag ein Urteil gefällt wird, könne er nicht vorhersagen.
Festnahme nahe der deutschen Grenze
Liebich war am 9. April in Luby (Schönbach) bei As (Asch) unweit der deutschen Grenze festgenommen worden. Derzeit befinde sie sich in Auslieferungshaft, so der Gerichtssprecher. Die 55-Jährige lehnt eine Auslieferung nach Deutschland mit der Begründung ab, sie befürchte eine Verletzung ihrer Bürgerrechte. Daher müsse nun das Gericht entscheiden.
Das tschechische Gericht verwendet für Liebich gemäß den deutschen Meldedaten das weibliche Geschlecht, erläuterte der Justizsprecher. In der Haftanstalt seien sowohl weibliche als auch männliche Gefangene untergebracht. Nach der Festnahme war die Staatsanwaltschaft Halle davon ausgegangen, dass die Entscheidung über die Auslieferung in den nächsten Wochen getroffen wird.
Haftantritt bereits für August 2025 vorgesehen
Sollte Liebich nach Deutschland überstellt werden, würde sie voraussichtlich in die Justizvollzugsanstalt im sächsischen Chemnitz kommen. Dort hätte sie bereits im August 2025 ihre Haft antreten sollen, war jedoch nicht erschienen. Daraufhin wurde zunächst bundesweit, später europaweit nach der 55-Jährigen gefahndet.
Liebich war im Juli 2023 – damals noch als Mann mit dem Vornamen Sven – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Berufung und Revision gegen das Urteil blieben erfolglos.
Nach der Verurteilung hatte Liebich das Geschlecht von männlich auf weiblich ändern lassen. Zudem wurde der Name von Sven in Marla Svenja angepasst. Ab diesem Zeitpunkt als Frau geltend, wurde Liebich deshalb zum Haftantritt in das Chemnitzer Frauengefängnis bestellt.



