Verdeckter LKA-Einsatz: Ex-BND-Chef August Hanning wurde ausspioniert
LKA spionierte Ex-BND-Chef August Hanning verdeckt aus

Verdeckter LKA-Einsatz gegen Ex-BND-Chef August Hanning

Sieben Jahre lang war er der oberste Chef von Deutschlands Agenten und Spionen. Jetzt wurde bekannt, dass der ehemalige BND-Präsident August Hanning (80) selbst Ziel eines verdeckten Ermittlers wurde. Ein Beamter des Landeskriminalamts Hamburg infiltrierte über Monate hinweg eine Firma, in deren Aufsichtsrat Hanning sitzt.

141 Tage unter falscher Identität

Der verdeckte Ermittler, der intern als „VE01“ geführt wurde, arbeitete vom 28. Mai bis zum 15. Oktober 2025 für die Hamburger „System 360 Grad GmbH“. Er erhielt einen regulären Arbeitsvertrag, ein Gehalt und direkten Zugang zu sensiblen Unternehmensinformationen. Sein Auftrag war es, mögliche Verbindungen zwischen Hanning und dem Fall der Block-Kinderentführung aufzudecken.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hanning und den ehemaligen LKA-Beamten Thorsten Mehles, der damals Geschäftsführer der Firma war. Ihnen wird vorgeworfen, an der versuchten Entführung der Kinder von Steakhaus-Erbin Christina Block (53) im Jahr 2022 beteiligt gewesen zu sein. Zudem sollen sie in die vollendete Entführung der Kinder Klara (15) und Theo (12) in der Silvesternacht 2023/2024 verstrickt sein.

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Brisante Ermittlungsaufträge

Neben dem Entführungsfall hatte der verdeckte Ermittler einen weiteren heiklen Auftrag: Er sollte mögliche Verbindungen zwischen Hanning, der Firma und der Verbreitung von kinderpornografischen Schriften untersuchen. Hintergrund ist der Sorgerechtsstreit zwischen Christina Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel (52).

Hensel hatte im September 2023 in seiner Garage einen Tauchsack mit einer Festplatte entdeckt, auf der Fotos von sexualisierter Gewalt gegen Kinder gespeichert waren. Er meldete den Fund umgehend der Polizei.

Was der Spion dokumentierte

Der LKA-Ermittler notierte während seines Einsatzes insgesamt 76 Vermerke, von denen mehr als 20 als relevant für das laufende Block-Verfahren eingestuft werden. Er dokumentierte, dass sich die Geschäftsführung intensiv mit dem Prozess befasste, einen Prozessbeobachter zum Landgericht schickte und über Verteidigungsstrategien beriet.

In den Unterlagen taucht auch die BILD-Zeitung auf. Laut Aussagen von Ex-LKA-Mann Mehles soll Hanning ein „sehr enges Verhältnis“ zum Chefredakteur der BILD-Zeitung unterhalten haben. Dazu stellt der Chefredakteur der BILD-Gruppe, Robert Schneider (49), klar: „Was hier behauptet wird, ist unwahr. Ich pflege keinen Kontakt zu Herrn Hanning.“

Rechtliche Grundlage und Schweigen der Beteiligten

Der Einsatz des verdeckten Ermittlers wurde durch einen Beschluss des Amtsgerichts Hamburg vom 28. Mai 2025 (160 Gs 598/25) genehmigt. Das LKA bezeichnet die Operation in internen Dokumenten als „Erfolg“.

Was der Ermittler konkret in Erfahrung bringen konnte, geht aus den vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Diese Informationen könnten jedoch in einem möglichen Gerichtsverfahren gegen Hanning und Mehles ans Tageslicht kommen.

Sowohl August Hanning als auch Thorsten Mehles haben auf Anfragen der BILD-Zeitung zu den Vorwürfen bislang nicht reagiert. Der Fall zeigt, wie ein ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes selbst zum Ziel polizeilicher Überwachung werden kann – ein sicherheitspolitisch außergewöhnlicher Vorgang.

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