Ein Nachruf auf Hermann Grub: Der unerschütterliche Optimist für Münchens grüne Zukunft
Der wahrscheinlich optimistischste Aktivist der Stadt ist von uns gegangen: Hermann Grub, der schwäbische Herzens-Schwabinger, hat die Debatten um ein grünes, lebenswertes München über Jahrzehnte maßgeblich geprägt. Ein AZ-Nachruf von Lokalchef Felix Müller erinnert an den Architekten, dessen Stimme und Vision unvergessen bleiben.
Die warme Stimme am Telefon: "Hier isch Grub"
Ein, zwei Mal jedes Jahr klingelte in der AZ-Redaktion das Telefon, und auf der anderen Seite meldete sich eine warme, schwäbische Stimme. "Hier isch Grub", hieß es da, immer fröhlich, immer voller Tatendrang. Man wusste schon nach diesen drei Worten: Jetzt muss Platz in der Zeitung reserviert werden, denn es gab wieder Neuigkeiten zum großen Lebenstraum, dem Tunnel durch den Englischen Garten.
16 Jahre für einen Traum: Der Englische-Garten-Tunnel
16 Jahre seines Lebens widmete der Schwabinger Architekt Hermann Grub gemeinsam mit seiner Frau Petra Lejeune-Grub diesem visionären Projekt: die klaffende Wunde zu schließen, den Englischen Garten "wiederzuvereinen", wie sie es nannten. Endlich, endlich sollte der Mittlere Ring nicht mehr den Park zerschneiden, sondern in einen Tunnel unter die Erde verlegt werden.
Grub verfolgte dieses Ziel mit viel Herz, profundem Fachwissen, einem unheimlichen Engagement und trotz zahlreicher Rückschläge. Egal, ob er Ministerpräsident Horst Seehofer im Hofbräuhaus bezirzte, Stadträte überzeugen wollte oder beim Italiener am Siegestor Reporter Münchner Zeitungen traf – dieser Tunnel musste doch machbar werden!
Eine Bürgerinitiative mit Wucht und Prominenz
Es handelte sich um eine aufsehenerregende Schwabinger Bürgerinitiative, die von Anfang an unheimlich viel Wucht entfaltete. Um 2010 gelang es Grub sogar, Alt-Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel dazu zu bewegen, ihn offiziell zu unterstützen. Die Allianz Umweltstiftung stieg mit ein, und irgendwann war die erste Million beisammen.
Der damalige Oberbürgermeister Christian Ude erinnerte sich gegenüber der AZ, die Idee "von Anfang an wunderbar" gefunden zu haben: "Ein Stück Reparatur der Natur, aber ich habe gesagt, ich werde es niemandem versprechen, weil niemand weiß, wie das finanziert werden kann."
Versprechen, Rückschläge und neue Hoffnung
Doch versprochen wurde der Tunnel immer wieder. In den Archivbänden der Münchner Zeitungen lässt sich mehrmals nachlesen, nun sei das Projekt gesichert. Dann tauchten jedoch stets neue Probleme auf, zuletzt 2022, als die grün-rote Stadtratsmehrheit die eigene Entscheidung pro Tunnel wieder kippte – offiziell, weil 900 Bäume gefällt werden müssten.
Aber Grub, dieser tatkräftige, zuversichtliche Mann, gab nicht auf. Vor wenigen Wochen wurde eine Machbarkeitsstudie öffentlich, die der Landtag in Auftrag gegeben hatte. Nun soll die Idee wieder aufleben, wobei auch die Tram in einem Tunnel fahren könnte. "Jetzt starten wir neu und versuchen, diese beiden Projekte unter einen Hut zu bringen", erklärte Petra Lejeune-Grub vor einigen Tagen. Wieder eine neue Chance, so sehen sie es.
Grüne Spuren in Schwabing: Die Hinterhof-Bewegung
Der Tunnel ist nicht das erste grüne Lebenswert-Projekt, mit dem der schwäbische Herzens-Schwabinger Hermann Grub eng verbunden ist. In den 1970er Jahren prägte eine von ihm maßgeblich gestaltete Initiative die Hinterhöfe vor allem in Schwabing.
Wer heute bei den Hofflohmärkten staunend in grünen, großen, lebenswerten Hinterhöfen steht, darf das in vielen Fällen auch ein wenig diesem Hermann Grub zuschreiben. Er warb in den 70ern unermüdlich dafür, die Höfe zu entrümpeln und zu öffnen, Mauern abzubauen und aus grauem Asphalt grüne Wiesen zu machen.
"Dass ich heute aus meiner Küche ins Grüne schauen darf, habe ich dieser Bewegung zu verdanken", sagt Christian Ude. Zunächst in der Clemens- und Herzogstraße und dann in vielen Ecken Schwabings wurden in jenen Jahren plötzlich immer mehr Höfe grüner, größer und zu Treffpunkten für die Nachbarn.
Anerkennung und ein weites Wirkungsfeld
Das Ehepaar Lejeune-Grub wurde später mit "München leuchtet" in Gold ausgezeichnet und wirkte als Architekten auch weit über die Stadtgrenzen hinaus. So moderierten sie etwa den Planungsprozess zur Umgestaltung des betonierten Neckartals bei Stuttgart, was ihr Engagement für städtische Grünflächen unterstreicht.
Ein Abschied und ein ungewisses Erbe
Wie es mit dem Tunnel durch den Englischen Garten weitergeht, ist wie schon so oft unklar. Hermann Grub wird nicht mehr für ihn werben, denn er ist nach schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren verstorben. Seine Frau bezeichnete ihn in der "SZ" als einen "unerschütterlichen Optimisten".
So klang er auch all die Jahre, wenn er wieder mal in der AZ-Redaktion anrief, um zu erklären, wie und warum das doch noch etwas werde mit dem Englischen-Garten-Tunnel. Mit seinem Englischen-Garten-Tunnel. Sein Vermächtnis lebt in den grünen Höfen Schwabings und in den Herzen all jener weiter, die an ein lebenswertes München glauben.



