Neue Sicherheitskampagne für Münchens öffentlichen Nahverkehr
Eine aktuelle Studie des Kreisjugendrings München hat alarmierende Ergebnisse zutage gefördert: Zwei Drittel der befragten Mädchen und jungen Frauen geben an, sich nachts in U-Bahnen und Bussen nicht sicher zu fühlen. Auch bei männlichen Jugendlichen äußert immerhin ein Fünftel entsprechende Unsicherheitsgefühle. Als Reaktion auf diese besorgniserregenden Zahlen haben die Münchner Polizei, die MVG, die Bundespolizei und die Deutsche Bahn nun gemeinsam die Informationskampagne "Sicher unterwegs" gestartet.
Hilfe ist immer in der Nähe
Die Kampagne zielt darauf ab, Fahrgästen deutlich zu machen, dass in brenzligen Situationen im öffentlichen Personennahverkehr fast immer professionelle Hilfe verfügbar ist. Polizeipräsident Thomas Hampel betonte bei der Vorstellung der Initiative, dass München zwar die sicherste Großstadt Deutschlands sei, dennoch könnten durch Pöbeleien, betrunkene Personen oder zunehmende Respektlosigkeit Unsicherheitsgefühle entstehen. Die Einsatzkräfte seien jedoch stets erreichbar und könnten im Notfall innerhalb von vier Minuten vor Ort sein.
Die Kampagne wird auf den Bildschirmen in U-Bahnen sichtbar sein mit Botschaften wie:
- "Die Polizei ist rund um die Uhr für Sie da"
- "Sie benötigen Hilfe in den Bahnen? Nutzen Sie die Sprechstellen direkt zum Fahrpersonal"
- "Brauchen Sie Hilfe im U-Bahnhof? Drücken Sie den Notrufknopf. Wir hören und sehen Sie"
Einfache Notrufsysteme in U-Bahnen und Bahnhöfen
MVG-Chef Ingo Wortmann erläuterte die vorhandenen Sicherheitssysteme: In jeder U-Bahn befindet sich neben jeder Tür ein grünes Notrufschild mit einem Knopf. Wer diesen drückt, spricht sofort mit dem U-Bahnfahrer, der im Bedarfsfall über Funk die U-Bahnwache alarmiert. Diese steigt dann am nächsten Bahnhof zu, um Hilfe zu leisten.
"Man darf sich wirklich trauen, diesen Knopf zu benutzen", betonte Wortmann. "Lieber einmal zu viel als zu wenig." In allen U-Bahnhöfen stehen zudem jeweils zwei feuerwehrrote SOS-Notrufsäulen an jedem Bahnsteig, über die direkt die U-Bahn-Leitstelle erreicht werden kann.
Hemmschwelle bei Frauen besonders hoch
Theresa Baum, Referentin beim Kreisjugendring München, wies auf ein spezifisches Problem hin: "Wenn Frauen sich verfolgt oder bedrängt fühlen, trauen sie sich oft nicht, den Notruf zu nutzen." Der KJR wünscht sich daher, dass die Kampagne noch konkreter benennt, in welchen Situationen der Notrufknopf gedrückt werden darf. MVG-Chef Wortmann kündigte bereits Nachbesserungen an und will künftig explizit auf den Bildschirmen auffordern: "Sie fühlen sich belästigt? Drücken Sie den Notrufknopf."
Die Kampagne verdeutlicht, dass Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr nicht nur eine Frage der tatsächlichen Bedrohungslage, sondern auch des subjektiven Sicherheitsgefühls ist. Durch die bessere Sichtbarkeit der vorhandenen Hilfsmöglichkeiten sollen insbesondere junge Frauen ermutigt werden, bei Bedenken oder Bedrohungen sofort Hilfe zu suchen.



