Neue Spur in ungeklärten Mordfällen: Serienmörder in Schwerin aktiv?
Neue Spur: Serienmörder in Schwerin aktiv?

Neue Spur in ungeklärten Mordfällen: War ein Serienmörder in Schwerin aktiv?

Die Morde an Claudia Lade und Antje Mundstock in Schwerin sind seit 35 Jahren ungeklärt. Nach mehr als drei Jahrzehnten gibt es nun aber womöglich neue Erkenntnisse zu den beiden Verbrechen. Nach Angaben einer privaten Ermittlungsinitiative um den ehemaligen Chef des Hamburger Landeskriminalamtes (LKA), Rainer Chedor, besteht ein „sehr begründeter Verdacht“, dass der mutmaßliche Serienmörder Kurt-Werner Wichmann (1993 verstorben) im Zeitraum der Gewaltverbrechen an den beiden jungen Frauen „in Schwerin aktiv war“.

Claudia Lade wurde im Juni 1991 in Schwerin ermordet. Antje Mundstock im Juli 1991. Vom Täter fehlt bislang jede Spur. Der ehemalige LKA-Chef beruft sich unter anderem auf die „sehr glaubwürdigen Angaben und Hinweise“ einer Frau über ihre Entführung im Sommer 1991. Die Hinweisgeberin habe Wichmann viele Jahre nach der Tat mit „absoluter Sicherheit“ als ihren Peiniger identifiziert, erläutert Chedor. Zudem gebe es noch einen weiteren Anhaltspunkt, dass sich der mutmaßliche Serienmörder im Raum Schwerin aufgehalten haben könnte.

Experten halten Wichmann für einen Serienmörder

„Mein Wunsch ist, dass die Polizei diese Ergebnisse ernst nimmt und sich kümmert“, so Chedor. Seine Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern müssten sich die Akten zu den Fällen Lade und Mundstock noch einmal vornehmen. Asservate zu den beiden Mordfällen in Schwerin könnten auf Spuren von Kurt-Werner Wichmann untersucht werden.

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Die private Ermittlungsinitiative um Reinhard Chedor hat es sich laut Eigenbeschreibung zur Aufgabe gemacht, die Spur des mutmaßlichen Serientäters Kurt-Werner Wichmann zu verfolgen. Ziel sei die Aufklärung von zahlreichen ungeklärten Tötungsdelikten und Vermisstenfällen voranzubringen, für die Wichmann als Täter infrage kommt. Nach Einschätzung von Fachleuten könnte der ehemalige Friedhofsgärtner deutschlandweit mindestens 20 Morde begangen haben. Die Opfer waren häufig Frauen. Mit den Fällen Claudia Lade und Antje Mundstock beschäftigt sich das Team seit 2023.

Frau nach Discobesuch ins Auto gezerrt

Die Hinweisgeberin, so schildert es der ehemalige LKA-Chef, war im Sommer 1991 in Schwerin nach einem Discobesuch entführt, stundenlang festgehalten und sexuell missbraucht worden. Dem Ex-Polizisten hatte sie beschrieben, wie sie gegen 21.30 Uhr an der Haltestelle „Platz der Freiheit“ von einem Mann mit einem Messer bedroht und in ein rotes Fahrzeug gezogen worden war. „Er fuhr mit ihr in einen Waldweg, verging sich an ihr und ließ sie erst sechs Stunden später wieder frei“, erklärt Chedor.

Angezeigt hatte das Entführungsopfer die Tat bei der Polizei damals nicht. Erst Jahrzehnte später erzählte sie dem Chef der Ermittlungsinitiative ihre „fürchterliche Geschichte“. Chedor legte ihr neun Fotos von Männern vor, die sich ähnlich sahen. Auf einem der Bilder identifizierte sie Kurt-Werner Wichmann als ihren Peiniger. Und das auf eine eindringliche Art und Weise. „Beim Foto von Wichmann gab es eine körperliche Reaktion bei ihr. Sie hat gezittert und geweint“, erinnert sich der Ex-Beamte. Ihr Körper sei schneller als der Kopf gewesen. Vor allem die körperliche Reaktion beim Anblick des Fotos ist für Chedor „ein ganz wichtiges Indiz“, dass die Frau tatsächlich ihren Entführer erkannt hat.

Ermittler-Team hofft auf weitere Hinweise

Kurt-Werner Wichmann gilt unter anderem für zwei Doppelmorde im Sommer 1989 in der Göhrde (Niedersachsen) und für den gewaltsamen Tod von Birgit Meier aus Lüneburg als dringend tatverdächtig. Zu den ungeklärten Morden, für die Wichmann als Täter infrage kommt, listet die Initiative unter anderem Fälle im Münsterland, Hannover und die Gewaltverbrechen an Antje Mundstock und Claudia Lade in Schwerin auf. Für eine Mordtat konnte Wichmann aber nie verurteilt werden – zehn Tage nach seiner Verhaftung im Fall Birgit Meier beging der 43-Jährige in seiner Gefängniszelle 1993 Suizid.

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Ihre Ermittlungsergebnisse über eine mögliche Spur des „Göhrde-Mörders“ nach Mecklenburg-Vorpommern will das Team um den ehemaligen LKA-Chef am Samstag, 25. April, in Schwerin vorstellen. Dabei hofft die Initiative auch auf weitere Hinweise aus der Bevölkerung. Die Erkenntnisse über mögliche Aktivitäten von Kurt-Werner Wichmann in Schwerin sind bereits an die Ermittlungsbehörden übermittelt worden. „Die Angaben sind hier bekannt“, erklärte ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft in Schwerin. Die Hinweise würden derzeit auf mögliche Ermittlungsansätze ausgewertet.