Die NSDAP-Mitgliederkartei ist seit Ende März online abrufbar. Der US-amerikanische National Archives Catalog (NAC) hat die historischen Karteikarten veröffentlicht. Damit kann jeder mit wenigen Klicks überprüfen, ob eigene Verwandte oder verstorbene Bekannte Mitglieder der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei waren. Der Zugang ist kostenfrei und weltweit möglich.
Wie funktioniert die Suche?
Die Webseite des National Archives Catalog bietet eine Suchfunktion. Geben Sie den vollständigen Namen der gesuchten Person ein. Die Datenbank enthält etwa 10,5 Millionen Karteikarten von NSDAP-Mitgliedern. Die Trefferliste zeigt dann die gefundenen Einträge an. Ein Klick auf einen Eintrag öffnet die eingescannte Originalkarte. Diese enthält oft Angaben wie Geburtsdatum, Beruf, Wohnort und Eintrittsdatum in die Partei.
Was ist bei der Nutzung zu beachten?
Professor Patrick Wagner von der Universität Halle warnt vor voreiligen Schlüssen. „Nicht jedes Mitglied war ein überzeugter Nazi“, erklärt der Zeithistoriker. Viele traten aus beruflichen Gründen oder aus Angst vor Repressalien bei. Die Kartei allein sagt nichts über die tatsächliche Gesinnung oder Beteiligung an Verbrechen aus. Zudem ist die Datenbank nicht vollständig. Manche Karten gingen verloren oder wurden zerstört.
Wie unterscheidet man Mitläufer von überzeugten Nazis?
Wagner empfiehlt, die Biografie der Person genauer zu untersuchen. Wichtige Indizien sind: die Dauer der Mitgliedschaft, eine mögliche Funktion in der Partei, Beteiligung an NS-Organisationen wie SA oder SS sowie spätere Entnazifizierungsakten. Auch Gespräche mit älteren Verwandten oder lokale Archive können helfen. „Die Kartei ist ein erster Anhaltspunkt, aber nicht das letzte Wort“, so Wagner.
Warum sind die Daten jetzt online?
Die Karteikarten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den US-Streitkräften sichergestellt und in die USA gebracht. Das Nationalarchiv in Washington digitalisierte sie nun und stellte sie ins Netz. Der Schritt dient der historischen Forschung und der Transparenz. Allerdings gibt es auch Datenschutzbedenken, da die Namen Verstorbener öffentlich sind. Das Archiv weist darauf hin, dass es sich um historische Dokumente handelt.
Praktische Tipps für die Suche
- Nutzen Sie die exakte Schreibweise des Namens – auch mit Umlauten.
- Probieren Sie alternative Schreibweisen, da die Karten handschriftlich sind.
- Geben Sie bei häufigen Namen zusätzliche Informationen wie Geburtsort oder -datum ein.
- Seien Sie geduldig: Die Seite kann zeitweise langsam sein.
Viele Nutzer berichten von Erfolgen. Die Suche nach dem eigenen Großvater oder der Großtante kann emotional aufwühlend sein. Wagner rät zu einer nüchternen Herangehensweise: „Man sollte sich bewusst sein, dass fast jeder vierte Deutsche in der NSDAP war. Es war eine Massenorganisation.“
Das Online-Archiv ist unter catalog.archives.gov erreichbar. Für eine vertiefte Recherche lohnt sich der Besuch in lokalen Archiven oder die Kontaktaufnahme mit historischen Instituten.



