Massiver Polizeieinsatz in schleswig-holsteinischem Dorf
Am frühen Mittwochmorgen kam es im beschaulichen Högsdorf in Schleswig-Holstein zu einem außergewöhnlichen Polizeieinsatz. Gegen 7 Uhr rückten mehrere Streifenwagen sowie Spezialkräfte der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) zum Bauernhof des örtlichen Landwirts und Kommunalpolitikers Hubertus Karaschewski an. Die Beamten traten die Haustür ein, um Zugang zum Anwesen zu erhalten.
Steuerschulden und offene Strafzettel als Auslöser
Der Einsatz erfolgte auf Ersuchen des Amtes Lütjenburg und des Finanzamts Plön. Nach Informationen sollen sich beim Landwirt über längere Zeit nicht gezahlte Steuern und offene Strafzettel angesammelt haben. Da die betroffene Person behördliche Anordnungen nicht befolgt hatte, wurde die Polizei um Amtshilfe gebeten.
Polizeisprecher Mathias Stöwer erklärte: „Wir haben mit rund 20 Beamten Amtshilfe für das Finanzamt in Plön und das Amt Lütjenburg geleistet. Bei dem Einsatz zwischen 7 und 10 Uhr kam es zu keinerlei Störungen.“ Über mögliche ideologische Hintergründe des Hofbesitzers wollte sich der Sprecher nicht äußern.
Reichsbürger-Verdacht und Waffenfunde
Aus Sicherheitskreisen wurde bekannt, dass die betroffene Person dem sogenannten Reichsbürger-Spektrum zugerechnet wird. Diese Szene erkennt staatliche Institutionen häufig nicht an und verweigert regelmäßig Steuerzahlungen oder Bußgelder. Da im Vorfeld unklar war, ob sich Waffen auf dem Hof befinden, rückten die Beamten mit größerem Aufgebot und schwerem Gerät an.
Bei der anschließenden Durchsuchung stellten die Polizisten eine Armbrust sicher. Der Polizeisprecher bestätigte: „Wir ermitteln wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz.“ Ob es sich dabei um eine erlaubnispflichtige Waffe handelt oder ob weitere Gegenstände gefunden wurden, ist derzeit Teil der laufenden Ermittlungen.
Landwirt bestreitet Vorwürfe und kritisiert Polizeivorgehen
Die Ehefrau des Landwirts zeigte sich nach dem Einsatz empört. Aus ihrer Sicht habe es sich lediglich um „eine einfache Diskrepanz mit dem Finanzamt“ gehandelt. Das massive Auftreten der Polizei und die fehlende Vorwarnung seien völlig überzogen gewesen.
Der betroffene Landwirt selbst bestritt die Rechtmäßigkeit der Steuerforderungen. Er sprach von „Kriegsrecht“ und stellte die staatliche Legitimation grundsätzlich infrage – typische Argumentationsmuster aus dem Reichsbürger-Spektrum. Der Landwirt nannte eine angebliche Steuerschuld in Höhe von 16.000 Euro und bezeichnete den Polizeieinsatz als „völlig unverhältnismäßig“.
Hubertus Karaschewski ist in der Gemeinde kein Unbekannter: Laut amtlicher Bekanntmachung zur Gemeindewahl 2023 kandidierte der 63-Jährige als Landwirt für die „Kommunale Wählervereinigung Högsdorf“ und ist nach eigenen Angaben weiterhin gelistet.
Hintergrund: Reichsbürger-Szene in Deutschland
Die Behauptung, die Bundesrepublik befinde sich im „Kriegsrecht“ oder es gebe „kein Recht auf Steuern“, ist rechtlich haltlos. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein souveräner Staat mit gültiger Verfassungsordnung. Reichsbürger erkennen staatliche Institutionen häufig nicht an und verweigern behördliche Anordnungen. Teile dieser Szene werden vom Verfassungsschutz beobachtet, da sie das staatliche Gewaltmonopol infrage stellen.
Der Einsatz in Högsdorf zeigt erneut, wie Behörden mit Personen umgehen, die sich staatlichen Anordnungen verweigern. Die Kombination aus nicht gezahlten Steuern, dem Besitz von Waffen und der mutmaßlichen Zugehörigkeit zur Reichsbürger-Szene führte zu dem ungewöhnlich großen Polizeiaufgebot in dem 300-Einwohner-Dorf.



