Regionalliga-Reform sorgt für heftigen Krach: Ost-Klubs sehen sich erpresst
Regionalliga-Reform: Ost-Klubs fühlen sich erpresst

Regionalliga-Reform entfacht heftigen Streit: „Das ist ein Erpressungsversuch!“

Vor dem richtungsweisenden Termin der Arbeitsgruppe Regionalliga-Reform in der DFB-Zentrale spitzt sich der Konflikt um die Zukunft der vierten Liga dramatisch zu. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Frage, welche Pläne die Fußballverbände im Hintergrund wirklich verfolgen und welche Konsequenzen diese für die Vereine insbesondere in Ostdeutschland hätten.

Ost-Klubs fühlen sich systematisch benachteiligt

Sportdirektor Daniel Meyer vom Halleschen FC, der früher als Nachwuchsleiter beim 1. FC Köln tätig war, äußert scharfe Kritik an den Vorschlägen des Bayerischen Fußball-Verbands und des Norddeutschen Fußball-Verbands. „Sie wussten genau, dass das für die Ostklubs keine Option sein kann. Sondern es ist nur ein perfider Erpressungsversuch!“, erklärt Meyer mit deutlichen Worten.

Die umstrittenen Pläne sehen vor, die Nordost-Staffel zwischen den beiden Verbänden aufzuteilen. Für das gesamte Gebiet der ehemaligen DDR inklusive Berlin würden dabei lediglich zehn von insgesamt 80 Regionalliga-Startplätzen reserviert – obwohl zahlreiche traditionsreiche und zuschauerstarke Vereine genau in dieser Spielklasse aktiv sind.

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Aufstiegsregelungen verschärfen die Situation

Noch brisanter sind nach Informationen die geplanten Aufstiegsregelungen für den Nordosten. Während aus Thüringen und Sachsen nur ein Klub pro Saison aus der Oberliga in die neue Südost-Staffel mit Bayern aufsteigen dürfte, wären parallel drei bayerische Vereine aufstiegsberechtigt. Im Norden würde dasselbe Prinzip gelten: Drei Klubs aus dem Norddeutschen Verband dürften von der fünften in die vierte Liga aufsteigen, während aus Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt lediglich ein Verein diese Chance erhielte.

„In der Praxis würde dieses Konzept die stückweise Abschaffung des ambitionierten Fußballs im Osten zur Folge haben. Niemand hier würde ihm so je zustimmen können“, wettert Meyer weiter. „Es wurde schon so geschrieben, dass es nicht umsetzbar ist. Fängt man damit jetzt noch einmal an, ist es einfach krank.“

Kompassmodell als faire Alternative

Ganz anders präsentiert sich das vom DFB vorgeschlagene Kompassmodell. Dabei würden alle fünf vorhandenen Regionalligen mindestens zwölf Startplätze erhalten, zuzüglich Drittliga-Absteigern und Oberliga-Aufsteigern. Jeder Verein hätte sportliche Chancen, sich in den neuen vier Staffeln zu bewähren. Interessanterweise erhielte der Osten in diesem DFB-Papier auch mehr als zwei Aufsteiger.

„Wer es immer noch nicht verstanden hat: In dieser Frage wurde jahrelang massiv getrickst. Wir lassen uns diesmal aber nicht über den Tisch ziehen. Irgendwann ist es auch mal gut“, betont Meyer nachdrücklich.

Unterstützung aus anderen Regionen

Selbst in den anderen Staffeln hält man die Option, den Nordosten aufzuspalten, für irreführend. Marcus Uhlig von West-Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen erklärt: „Der Gedanke, dass ausgerechnet die Initiatoren dieser sinnvollen Reform – quasi als Belohnung – ihre Regionalliga aufgelöst bekommen, würde alles ad absurdum führen. Es liegt wesentlich näher, sich an den vier Himmelsrichtungen zu orientieren – Nord, Süd, West und Ost.“

Ein weiteres Argument für das Kompassmodell sind die kürzeren Fahrtstrecken für alle Vereine. Im aktuellen Vorschlag müsste Flensburg bis Halle und Memmingen bis Leipzig reisen – Distanzen, die im Kompassmodell deutlich reduziert würden. Auch Fans unterstützen die faire Lösung, wie Proteste in Halle und Oberhausen mit Spruchbändern wie „Vier Himmelsrichtungen, doch nur ein Ziel: Kompassmodell jetzt!“ deutlich zeigen.

Verbandspräsidenten im Fokus der Kritik

Die Verbandspräsidenten, damals Dr. Rainer Koch und heute Dr. Christoph Kern aus Bayern sowie Ralph-Uwe Schaffert aus dem Norden, hätten die Idee der Aufteilung offenbar nur vorgelegt, um angebliche Verhandlungsbereitschaft zu signalisieren. Anschließend hätten sie erklärt, der Osten sei selbst am Erhalt der fünf Staffeln interessiert und daher Schuld, dass sein Meister nicht direkt in die dritte Liga aufsteigen dürfe.

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Die Regionalliga-Reform entwickelt sich damit zu einem grundsätzlichen Konflikt um die Zukunft des Fußballs in Ostdeutschland, bei dem es um mehr geht als nur um sportliche Wettbewerbsbedingungen – es geht um die strukturelle Gleichberechtigung und die langfristige Perspektive für traditionsreiche Vereine in den neuen Bundesländern.