Kik schließt Hunderte Filialen: Textildiscounter baut Expansion zurück
Kik schließt Hunderte Filialen und baut Expansion zurück

Kik schließt Hunderte Filialen: Textildiscounter baut Expansion zurück

Der Textil- und Haushaltswaren-Discounter Kik fährt seine Expansion deutlich zurück und schließt in diesem Jahr Hunderte Filialen. Das Unternehmen, einer der größten Einzelhändler in Deutschland, gab diese Entscheidung in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur bekannt. Geschäftsführer und Finanzvorstand Christian Kümmel erläuterte die Hintergründe dieser strategischen Neuausrichtung.

Konkrete Zahlen zu den Filialschließungen

Bis Ende 2026 wird Kik die Zahl seiner Geschäfte in Europa um etwa 225 auf gut 4.000 reduzieren. In Deutschland sind sogar 135 Schließungen geplant, wodurch die Filialzahl auf rund 2.200 sinkt. Europaweit sieht das Unternehmen 300 Schließungen und lediglich 75 Neueröffnungen vor. Einige Standorte wurden bereits geschlossen, andere werden in den kommenden Monaten folgen.

„Wir trimmen unser Portfolio auf Profitabilität“, sagte Kümmel. „Die Formel 'Wir machen fünf neue Filialen auf und haben fünfmal so viele Kunden' ist nicht 100-prozentig aufgegangen.“ In einigen Fällen lägen Filialen weniger als einen Kilometer auseinander. „Wir haben zu dicht expandiert. Das bauen wir zurück.“ Alle verbleibenden Standorte seien profitabel.

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Auswirkungen auf die Beschäftigten

Eine konkrete Liste der betroffenen Geschäfte legte Kik nicht vor. Zahlreiche Mitarbeitende seien bislang nicht informiert worden. Kümmel betonte jedoch: „Wir werden die Mitarbeitenden der betroffenen Filialen in anderen Filialen weiter beschäftigen oder anderweitig eine Lösung finden.“ Kündigungen seien nicht geplant. Kik beschäftigt etwa 32.000 Menschen, davon 19.000 in Deutschland. Kümmel kann sich vorstellen, dass das Filialnetz in den kommenden Jahren weiter bereinigt wird.

Hintergründe und Wettbewerbssituation

Das Unternehmen hatte bereits im September 2025 angekündigt, unrentable Filialen zu schließen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Laut Kümmel wurden in der Vergangenheit etwa 100 Filialen pro Jahr geschlossen, die Zahl der Neueröffnungen war jedoch stets höher. Das Geschäftsmodell von Kik funktioniere weiterhin gut, und „unsere loyale Kundschaft wächst“. Dennoch spüre das Unternehmen die Kaufzurückhaltung der Verbraucher.

„Zwar erhält der Discount insgesamt Zulauf. Wir sehen aber, dass der ein oder andere Einkauf weggelassen wird.“ Kümmel zufolge hat sich das Konsumverhalten verändert, mit hoher Wechselbereitschaft und Preissensibilität bei Kunden. Der Wettbewerbsdruck nehme zu – durch stationäre Händler wie Woolworth, NKD und Action sowie asiatische Onlineportale wie Shein und Temu.

Strategische Ausrichtung und Marktposition

An seinem Konzept möchte Kik grundsätzlich festhalten und vornehmlich Textildiscounter bleiben. Kernzielgruppe sollen weiterhin Frauen zwischen 30 und 60 Jahren mit ihren Familien sein. Rund 60 Prozent des Sortiments entfallen auf Textilien, der Rest auf Non-Food-Produkte wie Haushaltswaren und Deko. Kik, die Abkürzung für „Kunde ist König“, wurde 1994 gegründet und ist inzwischen in 14 europäischen Ländern vertreten. Im Jahr 2024 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro.

Gesamtsituation im stationären Einzelhandel

Der stationäre Einzelhandel steht stark unter Druck, bedingt durch die wachsende Konkurrenz des Onlinehandels und die schlechte Konsumstimmung. Laut einer Prognose des Handelsverbandes Deutschland könnte die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken – Ende 2015 waren es noch etwa 372.000. Die Zahl der Insolvenzen in der Branche liegt nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren, mit 2.571 Fällen im Jahr 2025.

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