DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hat Bundestrainer Julian Nagelsmann gegen die zunehmend schärfere Kritik, insbesondere von Uli Hoeneß, in Schutz genommen. Bei einer Veranstaltung des Heimatvereins „Düsseldorfer Jonges“ am Dienstagabend zeigte er sich erstaunt über die Angriffe und bezeichnete sie als „einfach unnötig“.
Direkte Ansprache an Hoeneß
Konkret an den Ehrenpräsidenten des FC Bayern gerichtet, betonte Rettig: „Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand vom DFB Herrn Hoeneß gebeten hat, ein Zwischenzeugnis für Herrn Nagelsmann auszugeben. Ich kenne auch die Motivation nicht, was ihn da jetzt reitet.“ Er fügte hinzu: „Ganz so schlecht ist unser Trainer nicht, wie der ein oder andere erklärt.“
Spickzettel gegen Kritikpunkte
Rettig nahm sich die Vorwürfe mit einem „Spickzettel“ Punkt für Punkt vor. Die Behauptung von Hoeneß, Nagelsmann habe nach einem Gespräch „leicht beleidigt“ reagiert, wies er zurück: „In den zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit beim DFB war er kein einziges Mal beleidigt, auch wenn es bei uns mal gekracht hat.“ Mit einem Seitenhieb auf Hoeneß ergänzte er: „Manchmal hängt es auch davon ab, wer der Absender ist.“
Verletzungsmisere als Entschuldigung
Zur Kritik, die Nationalmannschaft sei einen Monat vor WM-Beginn nicht eingespielt, rechnete Rettig vor: Bei den letzten sechs Länderspielen hätten „immer mindestens acht, in der Spitze bis zu zehn“ Spieler verletzt gefehlt. Dies könne man „nicht dem Trainer vorwerfen“. Zudem erinnerte er daran, dass die Bayern einst 25 Millionen Euro Ablöse für Nagelsmann zahlten und ihn nach seiner Entlassung gerne zurückgeholt hätten. „Das wird ja einen Grund haben.“ Nagelsmann habe Paris Saint-Germain, gegen das die Bayern kürzlich in der Champions League scheiterten, in seiner Münchner Zeit zweimal besiegt.
Kritik an FIFA und WM-Ticketpreisen
Rettig äußerte sich auch zur FIFA und den hohen WM-Ticketpreisen. Diese bezeichnete er als „eine andere Form der Gentrifizierung. Wenn sie solche Themen dem freien Markt überlassen, kommt genau das dabei raus.“ Seine Frau und er „rechnen gerade, ob das unsere Haushaltslage hergibt“, scherzte er: „Ich sehe das mit großer Sorge, das ist keine gute Entwicklung.“



