Prozessauftakt im Polizistenmordfall: Angeklagter gesteht tödliche Schüsse aus Angst
Polizistenmord-Prozess: Angeklagter gesteht aus Angst

Emotionaler Prozessauftakt im Mordfall an Polizeioberkommissar

Im Landgericht Saarbrücken hat der Prozess gegen einen 19-jährigen Mann begonnen, der beschuldigt wird, im August 2025 einen Polizeioberkommissar im saarländischen Völklingen erschossen zu haben. Die Anklage lautet auf Mord, versuchten Mord und besonders schweren Raub. Der erste Verhandlungstag war von starken Emotionen geprägt, insbesondere für die Witwe des getöteten Beamten, die erstmals dem mutmaßlichen Täter gegenüberstand.

Geständnis und Schilderung der Tat

Zum Auftakt des Verfahrens legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Sein Verteidiger Michael Rehberger erklärte, sein Mandant habe aus Angst um sein eigenes Leben gehandelt. Der junge Mann hatte zuvor eine Tankstelle überfallen und etwa 600 Euro erbeutet. Bei der Flucht wurde er von mehreren Polizeibeamten verfolgt, darunter dem später getöteten Polizisten Simon Bohr und einem Kommissaranwärter.

Laut Verteidigung packte der Kommissaranwärter den Angeklagten von hinten, während Polizist Bohr mit einem Taser auf ihn zielte. In der Panik habe der 19-Jährige die Dienstwaffe des Kommissaranwärters gezogen und sechs Schüsse auf Bohr abgefeuert, die tödlich waren. Weitere Schüsse verletzten den Kommissaranwärter. Insgesamt feuerte der Angeklagte alle 17 Schuss aus dem Magazin ab.

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Psychische Erkrankungen im Fokus

Der Verteidiger betonte, sein Mandant sei „nicht der brutale Killer, sondern vermutlich ein sehr kranker junger Mann“. Es gebe Hinweise auf Schizophrenie sowie eine kombinierte Persönlichkeits- und Angststörung. Diese Erkrankungen könnten dazu führen, dass Betroffene überreagieren und Dinge tun, die ein gesunder Mensch in derselben Situation unterlassen würde.

Der Angeklagte selbst schilderte mit leiser Stimme und gesenktem Kopf seine langjährigen psychischen Probleme. Seit der Grundschule leide er unter wiederkehrenden schlechten Gedanken und Angstzuständen, weshalb er bereits mehrere Ärzte aufgesucht habe und Medikamente einnehme. In letzter Zeit hätten diese Symptome zugenommen, begleitet von Verfolgungsängsten und dem Gefühl, von anderen belästigt zu werden.

Anklage und mögliche Konsequenzen

Oberstaatsanwalt Christian Nassiry wirft dem Angeklagten vor, mit der Tat seine Beteiligung am Tankstellenüberfall verdecken zu wollen. Zudem seien die Mordmerkmale Grausamkeit und Mordlust gegeben, da der Angeklagte auf den bereits am Boden liegenden, wehrlosen Polizisten gezielt aus nächster Nähe geschossen habe – den letzten Schuss fast an den Kopf gesetzt.

Da es sich bei dem Angeklagten um einen Heranwachsenden handelt, verhandelt die Jugendkammer des Landgerichts. Bei einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die Vorsitzende Richterin Jennifer Klingelhöfer erwähnte auch die Möglichkeit einer Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Reaktionen und Prozessverlauf

Die Tat hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt, und der Zuschauerraum am ersten Verhandlungstag war bis auf den letzten Platz gefüllt. Andreas Rinnert, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei im Saarland, äußerte sich betroffen: „Man hat diesen Tag des Prozessbeginns natürlich irgendwie herbeigesehnt und gleichzeitig hat man ihn natürlich auch gefürchtet.“ Er zeigte sich nachdenklich über die Einlassung des Angeklagten, die eine gewisse Schuldumkehr nahezulegen scheine.

Der Prozess ist bis zum 14. April terminiert und verspricht, weitere aufschlussreiche Details über die Hintergründe der tragischen Tat sowie die psychische Verfassung des Angeklagten zu liefern. Die Ermittlungen und Zeugenaussagen werden voraussichtlich die komplexen Umstände des Falls weiter beleuchten.

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