Posthume Menschenhandels-Ermittlungen gegen Al-Fayed-Brüder
Die französische Justiz hat posthume Ermittlungen gegen die verstorbenen Brüder Mohamed Al-Fayed (†94) und Salah Al-Fayed (†71) eingeleitet. Ihnen wird vorgeworfen, ein organisiertes System sexueller Ausbeutung betrieben zu haben. Mehrere Frauen haben sich mit schwerwiegenden Vorwürfen an die Behörden gewandt.
Systematische Auswahl von Frauen bei Harrods
Ein mutmaßliches Opfer ist Rachael Louw (55), die 1994 im Londoner Luxuskaufhaus Harrods anfing. Bei ihrer Einstellung musste sie sich einer ungewöhnlichen medizinischen Untersuchung unterziehen, die einen Abstrich und Fragen zu ihrem Privatleben umfasste. „Ich erinnere mich, dass ich dachte: ‚Okay, das ist ein bisschen seltsam‘“, sagte Louw gegenüber „The Observer“.
Als sie später ihre medizinischen Unterlagen erhielt, lag versehentlich ein ausführlicher Bericht bei, der für Mohamed Al-Fayed bestimmt war. Der Arzt hatte detaillierte Notizen über ihre Persönlichkeit, Verhütungsmethoden und ihren „regelmäßigen Freund“ gemacht. Louw wird darin als „schlank“ und in „ausgezeichneter körperlicher Gesundheit“ beschrieben.
„Freigabetest“ und internationale Bewegungen
Französische Anwälte bezeichnen dieses Verfahren als „Freigabetest“. Die Frauen seien behandelt worden „wie Vieh“, erklärt Anwältin Catherine Joly. Kurz nach der Untersuchung wurde Louw Salah Al-Fayed als persönliche Assistentin zugeteilt. Auf dem Weg zu dessen Jacht an der Côte d’Azur wurde ihr der Reisepass abgenommen.
Statt Büroarbeit musste sie plötzlich ständig „bei ihm sein“. Eines Nachts sei Salah in ihr Bett gekommen und habe gesagt, er sei einsam. Louw flüchtete daraufhin. Die betroffenen Frauen schildern, dass sie zwischen London, Paris, Monaco und der Côte d’Azur bewegt wurden – teilweise mit Privatjets. Nach britischem Recht kann dies bereits Bestandteil eines Menschenhandelsdelikts sein.
Parallelen zum Fall Jeffrey Epstein
Die Vorwürfe weisen deutliche Parallelen zum Fall des verstorbenen Finanziers Jeffrey Epstein (†66) auf. Louw ist überzeugt, dass die medizinische Begutachtung Teil eines Systems war, das Frauen gezielt auswählte. Die Ermittlungen in Frankreich konzentrieren sich auf diese mutmaßlich organisierte Struktur.
Bereits seit 2024 gab es Vorwürfe gegen Mohamed Al-Fayed. Laut britischer Polizei gaben bislang 154 Frauen an, vom Ex-Besitzer von Harrods sexuell missbraucht worden zu sein. Zu einer Anklage kam es nicht mehr, da der Milliardär bereits 2023 starb.
Vergangenheit im Rampenlicht
Mohamed Al-Fayed stand auch wegen seines Sohnes Dodi (†42) im öffentlichen Interesse. Dodi war im Sommer 1997 mit Prinzessin Diana (†36) liiert. Die Romanze endete tragisch: Am 31. August 1997 starben beide bei einem Autounfall in Paris.
Die neuen Ermittlungen werfen ein düsteres Licht auf das Vermächtnis der Al-Fayed-Brüder. Während die posthumen Verfahren rechtlich komplex sind, könnten sie dennoch wichtige Aufklärung über mutmaßliche systematische Ausbeutung bringen.



