Schörghuber-Imperium: Wie Bier, Immobilien und Hotels München prägen
Schörghuber-Imperium: Bier, Immobilien und Hotels in München

Schörghuber-Imperium: Wie Bier, Immobilien und Hotels München prägen

Von Arabellapark bis Nockherberg, von Paulaner-Bier bis Luxushotels – die Schörghuber-Gruppe hat das Gesicht Münchens über Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet. Während die gesamte Brauereibranche 2025 einen historischen Absatzrückgang von sechs Prozent verzeichnete, konnte das Münchner Familienunternehmen sogar ein Wachstum von 4,7 Prozent erzielen. Doch nicht nur im Biergeschäft ist die Gruppe erfolgreich, sondern auch mit Immobilien, Hotels und sogar chilenischer Lachszucht.

Die Anfänge: Vom Zimmermann zum Unternehmensgründer

Alles begann 1954 mit dem gelernten Zimmermann und Bauingenieur Josef Schörghuber, der die Bayerische Hausbau (BHB) gründete. Diese bildet bis heute das finanzielle Fundament der Unternehmensgruppe. Bereits Ende der 1950er Jahre stieg Schörghuber in das Charterfluggeschäft ein und erwarb 1969 erste Hotelbeteiligungen. Der größte Coup gelang ihm jedoch Ende der 1970er Jahre, als er 1979 sowohl die Brauereien Hacker-Pschorr als auch Paulaner übernahm.

„Die Brauereien hatten einen riesigen Immobilienbesitz“, gab Josef Schörghuber später in einem Interview freimütig zu. Diese Immobilien sollten in den folgenden Jahrzehnten regelrecht vergoldet werden und bilden bis heute einen wesentlichen Pfeiler des Erfolgs.

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Immobilien: Das finanzielle Rückgrat der Gruppe

Die Bayerische Hausbau hat München nachhaltig geprägt. Von 1965 bis 1998 verwandelte sie Schafweiden vor der Stadt in den heutigen Arabellapark mit dem markanten Arabella-Hochhaus, in dem sich unter anderem das Sheraton Hotel befindet. Weitere Immobilien-Filetstücke im Besitz der BHB sind der Lorenzistock des Alten Hofs, Teile des Stachus-Rondells, der Donisl, das Hugendubel-Haus am Marienplatz und die ehemalige Bayerische Staatsbank, die heute als Rosewood Hotel betrieben wird.

Seit 1954 ist das Unternehmen für den Bau von 1.500 Reihenhäusern sowie rund 27.000 Wohnungen verantwortlich. Das Referat für Stadtplanung Münchens betont: „Die Bayerische Hausbau leistet seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zur Realisierung von dringend benötigtem Wohnraum.“ Allerdings kritisiert der Münchner Mieterverein: „Wenn ein Unternehmen sich nicht bewusst entscheidet, günstige Mieten zu verlangen, dann treibt das natürlich den Münchner Mietspiegel weiter nach oben.“

Um flexibler auf die seit 2022 stotternde Immobilienkonjunktur zu reagieren, hat sich die BHB inzwischen in die zwei Schwestergesellschaften Real Estate und Development aufgespalten. Der Immobilienbestand im Wert von 3,3 Milliarden Euro trug 2024 mit 474,6 Millionen Euro zum Gesamtumsatz der Schörghuber-Gruppe von über zwei Milliarden Euro bei.

Paulaner: Der umsatzstärkste Bereich

Das bekannteste Unternehmen der Gruppe ist die Paulaner Brauerei, die seit 2001 gemeinsam mit Heineken (30 Prozent) geführt wird. 2024 knackte Paulaner erstmals die Milliarden-Umsatzmarke und trug damit etwa die Hälfte zum Gesamtumsatz der Schörghuber-Gruppe bei. Dieser Erfolg ist kein Zufall, wie Kommunikationschef Bernhard Taubenberger erklärt: „Während der Gesamtmarkt in Teilen rückläufig ist, hat die Paulaner Brauerei Gruppe frühzeitig in die richtigen Hebel investiert.“

Dazu gehören hochmoderne Produktionsstätten, optimierte Logistikstrukturen und die Beobachtung des sich wandelnden Konsumverhaltens. Der Trend weg von alkoholischen Getränken wird mit alkoholfreien Bieralternativen und Spezi bespielt. Allein 2024 produzierte Paulaner zwei Millionen Hektoliter Spezi – ein äußerst lukratives Geschäft, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen 1974 nur etwa 10.000 Mark für die Spezi-Rechte bezahlte.

Tim Lünnemann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), lobt Paulaner als „guten Arbeitgeber“ in der Branche. Besonders positiv bewertet er, dass sich die Familie Schörghuber mit der neuen Brauerei in Langwied an den Standort München gebunden habe: „Es gibt genug Beispiele, wo in München Betriebe abwandern und eben keine neuen Arbeitsplätze schaffen.“

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Hotels und Lachszucht: Weitere Standbeine

Die drittstärkste Sparte ist der Hotelbereich mit der Arabella Hospitality, die 2024 einen Umsatz von 307,3 Millionen Euro erzielte. Hier arbeitet die Schörghuber-Gruppe eng mit Marriott International und Rosewood Hotels & Resorts zusammen. Das Rosewood Munich in der Kardinal-Faulhaber-Straße gilt als eines der teuersten Hotelprojekte der Stadt.

Für NGG-München-Chef Lünnemann hebt sich Arabella Hospitality als Arbeitgeber deutlich von anderen Hotels ab: „Es ist ein offenes Geheimnis, dass man lieber im Arabellahaus arbeitet als in manch anderem Hotel in München.“ Die Investment-Strategie im Hotelbereich konzentriert sich bisher auf Deutschland, Österreich, die Schweiz und Spanien, zukünftig soll auch Italien ins Visier genommen werden.

Das in München am wenigsten präsente Geschäftsfeld ist die Lachszucht in Chile. Seit 2011 gehört mit Productos del Mar Ventisqueros ein chilenisches Unternehmen für Lachszucht zur Schörghuber-Gruppe. Alexandra Schörghuber, die langjährige Vorstandsvorsitzende, begründete diesen Schritt mit der wachsenden Bedeutung nachhaltig produzierter Proteine für eine wachsende Weltbevölkerung. 2024 erzielte dieses Geschäftsfeld einen Umsatz von 221,2 Millionen Euro.

Die dritte Generation: Florian Schörghuber übernimmt

Seit Oktober 2024 führt Florian Schörghuber (31) als Sohn von Stefan und Alexandra Schörghuber das Unternehmen in dritter Generation. Er setzt damit das fort, was sein Großvater Josef Schörghuber ins Rollen brachte. Bereits 2022 hat Florian Schörghuber angestoßen, dass die Unternehmen unabhängiger von der Konzernzentrale arbeiten können, um schneller auf Marktveränderungen reagieren zu können.

Zum heutigen Paulaner-Erfolg sagt der junge CEO: „Vor fünf Jahren haben wir die Weichen für unsere Zukunft neu gestellt – bewusst und mit dem Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen.“ Ziel für die Zukunft ist es, Investments in weitere Geschäftsfelder auszuweiten und das Wachstum der Gruppe nachhaltig zu sichern.

Die Schörghuber-Gruppe steht damit exemplarisch für ein Familienunternehmen, das traditionelle Werte mit modernem Unternehmertum verbindet und dabei kontinuierlich wächst – selbst in schwierigen Marktphasen.