Prozess in Arnstadt: Angeklagte gestehen Schüsse mit CO2-Pistole auf Ilmenauer Campus
Prozess: Angeklagte gestehen Schüsse auf Campus Ilmenau

Prozess in Arnstadt: Angeklagte gestehen Schüsse mit CO2-Pistole auf Ilmenauer Campus

Im Amtsgericht Arnstadt haben zwei 22-jährige Deutsche die Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung in mehreren Fällen eingeräumt. Sie gestanden beim Verhandlungsauftakt, dass einer von ihnen an einem Abend im April 2025 wiederholt mit einer CO2-Pistole Plastikkugeln auf Menschen in Ilmenau geschossen habe. Der andere Angeklagte soll währenddessen mit ihm in einem Auto unterwegs gewesen sein, unter anderem über den Campus der Technischen Universität Ilmenau.

Staatsanwaltschaft prüft mögliches politisches Motiv

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung vor. Da auf dem Universitätsgelände vor allem ausländische Personen beschossen worden sein sollen, erklärte die Anklagebehörde, dass ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen werden könne. In der Öffentlichkeit wurde bereits über einen potenziellen rassistischen Hintergrund der Taten spekuliert.

Im Gerichtssaal betonten beide Angeklagte jedoch, „kein Problem mit Ausländern“ zu haben. Der mutmaßliche Schütze gab an, die Opfer seien zufällig ausgewählt worden, „ohne jegliche Hintergründe“. Beide Männer äußerten Reue für ihre Handlungen und richteten entsprechende Worte an anwesende Geschädigte.

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Autokennzeichen wirft Fragen auf

Besondere Aufmerksamkeit erregte das Autokennzeichen des Fahrzeugs, das bei der Tat verwendet wurde. Die Buchstabenkombination „HH“ und die Zahl „18“ erinnern an Codes aus der rechtsextremen Szene: „HH“ steht dort für „Heil Hitler“, während „18“ für die Buchstaben „A“ und „H“ (Adolf Hitler) steht. Der Angeklagte erklärte dies jedoch mit seinen eigenen Namensinitialen.

Eine schlüssige Erklärung für ihre Taten konnten die beiden Männer nicht liefern. Sie verwiesen auf persönliche Probleme, darunter Streitigkeiten mit ihren Freundinnen. Der Schütze gab zudem an, am Tattag verschiedene Drogen konsumiert zu haben, was zu einem Rauschzustand und lückenhaften Erinnerungen geführt habe. Wie er auf die Idee kam, Menschen zu beschießen, könne er nicht mehr sagen. Die Druckluftwaffe habe er bereits einige Zeit zuvor in einem Fachgeschäft gekauft, angeblich für den Fall eines Einbruchs in seiner Wohnung.

Opfer berichten von anhaltenden Folgen

Mehrere Geschädigte traten als Zeugen auf und schilderten ihre Erfahrungen. Ein Student beschrieb, wie er aus dem Nichts beschossen wurde und zunächst nicht verstand, was geschehen war. Seine körperlichen Verletzungen, darunter ein schmerzhaftes Hämatom, seien zwar verheilt, doch er sei seitdem vorsichtiger unterwegs. „Ich bin jetzt vorsichtiger unterwegs als vorher. Das hat schon was gemacht“, sagte der Mann.

Ein Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts in Ilmenau äußerte Bedenken über die gesellschaftlichen Auswirkungen der Taten: „Was halten unsere internationale Studierende davon, wenn sie frisch nach Ilmenau kommen und dann sowas erleben?“ Für die Fortsetzung der Verhandlung werden weitere Zeugen erwartet, um die Umstände der Vorfälle vollständig aufzuklären.

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