Berliner Prozess um häusliche Gewalt: Frau stürzt aus vierter Etage
Vor dem Berliner Landgericht muss sich ein 36-Jähriger wegen schwerer Körperverletzung an seiner damaligen Lebensgefährtin verantworten. Die 35-jährige Frau stürzte im Oktober 2022 aus einem Fenster im vierten Stock seiner Wohnung in Berlin-Köpenick und erlitt dabei eine Durchtrennung der Wirbelsäule. Seit diesem tragischen Vorfall ist die Frau querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen.
Fünf Gewalttaten innerhalb von 18 Monaten
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten insgesamt fünf Gewalttaten in der Zeit von April 2021 bis Oktober 2022 vor. Zu Prozessbeginn gestand der 36-Jährige vier dieser Vorfälle im Wesentlichen ein. Er gab an, sich jeweils provoziert oder versetzt gefühlt zu haben, was zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt habe. Die Verantwortung für den folgenschweren Sturz seiner Partnerin wies der Angeklagte jedoch entschieden zurück.
Der Mann betonte, er sei zwar zum Zeitpunkt des Sturzes in der Wohnung gewesen, habe sich aber nicht in unmittelbarer Nähe seiner damaligen Lebensgefährtin aufgehalten. Seit November 2025 befindet sich der Angeklagte in Untersuchungshaft.
Zeugenaussage der geschädigten Frau
Die verletzte Frau wurde im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben und schilderte dem Gericht die Eskalation der Gewalt in ihrer einjährigen Beziehung. Nach ihren Angaben kam es zum ersten massiven Übergriff, nachdem der Mann sie verbal erniedrigt, zu Boden gebracht und sich auf sie gesetzt hatte.
„Er stieß mir sein Knie ins Gesicht“, berichtete die Zeugin. „Plötzlich war er nicht mehr er selbst.“ Bei einem weiteren Vorfall habe der Angeklagte die Badezimmertür mit der Faust durchschlagen, sie in die Badewanne gedrückt und mit seinen Händen ihren Unterkiefer gequetscht.
Eskalation vor dem Sturz
Wenige Tage vor dem verhängnisvollen Sturz hatte der Mann laut Anklage im Schlafzimmer der Frau die Einrichtung zerstört und Parfümflaschen zerschmettert. Die Frau erklärte vor Gericht, dass es immer wieder wegen der Eifersucht des Angeklagten zu gewalttätigen Vorfällen gekommen sei.
„Ich hatte Angst und gleichzeitig wollte ich ihn nicht aufgeben“, sagte die 35-Jährige. „Ich wollte ihn verstehen, ihm irgendwie helfen.“ Sie berichtete weiter, dass der Mann besonders aggressiv geworden sei, wenn er Alkohol und Drogen konsumiert habe.
Der Tag des Sturzes
Am 21. Oktober 2022 bat die Frau ihren Partner laut ihrer Aussage, ihre Wohnung aufzuräumen. Gleichzeitig konfrontierte sie ihn mit einer halben Viagra-Tablette, die sie gefunden hatte. Die Zeugin schilderte, sie habe auf dem Fensterbrett gesessen und angekündigt, die Tabletten fallen zu lassen.
„Er lief auf mich zu - er wollte meinen Arm greifen, ich spürte noch unsere Körper, ich verlor das Gleichgewicht und fiel“, beschrieb die Frau die entscheidenden Momente vor ihrem Sturz in die Tiefe.
Verteidigung spricht von „toxischer Beziehung“
Über seinen Verteidiger ließ der Angeklagte erklären, es habe sich um eine „toxische Beziehung“ gehandelt. „Wir konnten nicht miteinander, aber auch nicht ohneeinander“, hieß es aus der Verteidigung. Aus Sicht des 36-Jährigen sei die Frau kurz vor dem Sturz auf das Fensterbrett geklettert, um ihm Angst zu machen, und dabei weggerutscht.
Der Prozess gegen den Mann wird am 12. März fortgesetzt. Die schweren Verletzungen der Frau - innere Verletzungen und die Querschnittslähmung - werden das Gericht bei der Urteilsfindung besonders berücksichtigen müssen.



