Prozess um getöteten Polizisten: Kollege schildert letzte Momente vor tödlichem Aufprall
Im Landgericht Cottbus hat der Polizeipartner des getöteten Beamten Maximilian Stoppa die dramatischen letzten Sekunden vor dem tödlichen Unfall detailliert geschildert. Die Verhandlung um den Tod des 32-jährigen Polizisten aus Dresden, der im Januar 2025 in Südbrandenburg bei einer Verfolgungsjagd ums Leben kam, erreichte am vierten Prozesstag einen emotionalen Höhepunkt.
„Wir müssen raus. Wir müssen raus“ – letzte Worte des getöteten Beamten
Der damalige Beifahrer und Kollege berichtete mit bewegter Stimme vor Gericht von den finalen Momenten. „Wir müssen raus. Wir müssen raus“ seien die letzten Worte im Leben von Maximilian Stoppa gewesen, kurz bevor der Beamte aus dem Polizeifahrzeug stieg, um Autodiebe an der Flucht zu hindern. Die beiden Polizisten befanden sich im Einsatz, als sie auf eine Bande stießen, die zuvor zwei Fahrzeuge – einen Audi und einen Jeep – gestohlen hatte.
Der Zeuge schilderte, dass er selbst etwas länger gebraucht habe, um aus dem Auto auszusteigen, weil sich seine Dienstwaffe am Gurt verfing. „In genau dieser Sekunde prallte der Skoda, in dem der Angeklagte saß, gegen unser Polizeiauto“, berichtete er. Die Airbags lösten sofort aus, Glas splitterte in alle Richtungen. Als er um das Fahrzeug lief, sah er zunächst eine verletzte Person auf dem Boden liegen.
Großer Blutfleck und keine Lebenszeichen
„Ich dachte zuerst, es sei der flüchtende Fahrer“, führte der Polizeikollege aus. „Dann erkannte ich, dass es Max Stoppa war.“ Der Zeuge beschrieb seine Verwirrung in den ersten Momenten: „Ich wusste erst mal gar nicht, was passiert ist“. Er vermutete zunächst, sein Kollege sei gestolpert und möglicherweise von dem Fahrzeug überfahren worden.
Dann bemerkte er einen „größeren Blutfleck“ auf der Fahrbahn. „In diesem Moment wusste ich, dass es wohl etwas Größeres ist“, sagte der sichtlich mitgenommen wirkende Polizist. Maximilian Stoppa habe nicht mehr geatmet und auf keine Reize mehr reagiert.
Videoaufnahmen zeigen rücksichtslose Fahrweise
Am selben Verhandlungstag wurden den Richtern und Prozessbeteiligten Videoaufnahmen der tödlichen Verfolgungsjagd vorgeführt. Die von Polizeikräften gefertigten Sequenzen dokumentieren eine völlig enthemmte Fahrweise des mutmaßlichen Täters. Ein als Zeuge geladener Polizist beschrieb das Verhalten als „rücksichtslos“ und extrem gefährlich.
Die Aufnahmen zeigen, mit welcher Geschwindigkeit die Verfolgung stattfand: Innerorts wurden Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde erreicht, außerorts beschleunigte der Flüchtende auf fast 190 km/h auf Landstraßen. Der Verfolgte fuhr über Fußwege und nahm Kreisverkehre in entgegengesetzter Richtung.
„Man dachte, der Mann ist ein Rallyefahrer“, berichtete ein weiterer Polizeizeuge, der mit Kollegen die Verfolgung aufgezeichnet hatte. Trotz der massiven Regelverstöße habe der Fahrer seinen Wagen jedoch unter Kontrolle gehabt. „Alle Achtung“, fügte der Zeuge an, „er konnte mehr als gut fahren.“
Mordvorwurf mit Verdeckungsabsicht
Der 27-jährige polnische Angeklagte, der als Mitglied einer Autoschieber-Bande gilt und im Begleitfahrzeug der Diebe unterwegs war, soll während eines Überholvorgangs den Polizeibeamten erfasst haben. Maximilian Stoppa hatte in diesem Moment gerade einen sogenannten Stop-Stick – eine Art Nagelgürtel zur Reifendeflation – auf die Fahrbahn legen wollen.
Die Staatsanwaltschaft Cottbus wirft dem Angeklagten Mord vor. Als entscheidendes Mordmerkmal wird die „Verdeckungsabsicht“ angeführt: Der Mann soll mit der Tat verdecken wollen, dass er als Bandenmitglied an einem Autodiebstahl beteiligt war. Der Angeklagte wirkte während der Verhandlung angesichts der Videosequenzen, die die Fahrt kurz vor dem Unfall dokumentierten, sichtlich erschrocken.
Insgesamt sind für den Prozess neun Verhandlungstage angesetzt, in denen weitere Zeugen gehört und Beweise ausgewertet werden sollen. Die Verhandlung vor dem Landgericht Cottbus wird unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit und der Polizeikollegen des getöteten Beamten fortgesetzt.



