Prozess um toten Polizisten: Kollege schildert letzte Momente vor tödlichem Aufprall
Im Landgericht Cottbus hat der Polizeipartner des getöteten Beamten Maximilian Stoppa die letzten Sekunden vor dem fatalen Unfall detailliert geschildert. Die dramatischen Ereignisse ereigneten sich vor etwa einem Jahr in Lauchhammer, als Polizisten eine Bande von Autodieben verfolgten.
„Wir müssen raus“: Letzte Worte vor dem Ausstieg
„Wir müssen raus. Wir müssen raus“ – das waren laut Aussage des damaligen Beifahrers die letzten Worte im Leben des 32-jährigen Polizisten Maximilian Stoppa, kurz bevor er aus dem Polizeifahrzeug stieg. Die beiden Beamten befanden sich im Einsatz und versuchten, die Flucht von Autodieben zu verhindern, die einen Audi und einen Jeep gestohlen hatten.
Der Kollege schilderte vor Gericht, dass er selbst etwas länger benötigte, um auszusteigen, weil sich seine Dienstwaffe am Gurt verfing. In genau diesem Moment prallte der Skoda des Angeklagten mit voller Wucht gegen das Polizeiauto. Die Airbags lösten aus, Glas splitterte überall, und eine chaotische Szene entfaltete sich.
Tödlicher Aufprall und schockierende Entdeckung
Nach dem Aufprall lief der Kollege um das Auto herum und entdeckte eine verletzte Person auf dem Boden. „Ich sah dann eine verletzte Person“, führte er aus. Zunächst dachte er, es handele sich um den flüchtenden Fahrer, doch dann erkannte er: „Ich habe dann erkannt, dass es Max Stoppa war.“
Vor Ort bildete sich ein großer Blutfleck, und der Kollege beschrieb seine Verwirrung: „Ich wusste erst mal gar nicht was passiert ist“. Er vermutete zunächst, sein Partner sei gestolpert und möglicherweise überfahren worden. Schnell wurde klar, dass die Verletzungen lebensbedrohlich waren – Stoppa atmete nicht mehr und reagierte nicht auf Ansprache.
Videoaufnahmen zeigen rücksichtslose Fahrweise
Am vierten Verhandlungstag wurden im Gerichtssaal Videoaufnahmen der tödlichen Verfolgungsjagd gezeigt. Die von Polizeibeamten aufgenommenen Sequenzen dokumentieren eine völlig enthemmte und rücksichtslose Fahrweise des mutmaßlichen Täters. Ein geladener Polizeizeuge beschrieb, wie der Angeklagte innerorts mit über 100 Kilometern pro Stunde raste und außerorts sogar Geschwindigkeiten von fast 190 km/h erreichte.
Die Aufnahmen zeigen, wie der Verfolgte über Fußwege fuhr, in entgegengesetzter Richtung in Kreisverkehre einbog und sämtliche Verkehrsregeln missachtete. Ein Polizist kommentierte: „Man dachte, der Mann ist ein Rallyefahrer.“ Trotz der gefährlichen Manöver hatte der Angeklagte seinen Wagen offenbar unter Kontrolle – „Alle Achtung, er konnte mehr als gut fahren“, räumte ein Zeuge ein.
Mordvorwurf und juristische Bewertung
Der 27-jährige polnische Staatsangehörige steht im Verdacht, den Polizisten während eines Überholvorgangs erfasst zu haben, als dieser gerade einen sogenannten Stop-Stick – eine Art Nagelgürtel – auf die Fahrbahn legen wollte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor und begründet dies mit einer angeblichen Verdeckungsabsicht: Der Angeklagte soll mit der Tat verdecken wollen, dass er als Mitglied einer Autoschieber-Bande an den Diebstählen beteiligt war.
Im Gerichtssaal wirkte der Angeklagte angesichts der gezeigten Videosequenzen, die die Fahrt kurz vor dem Unfall dokumentieren, sichtlich erschrocken. Für den Prozess sind insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt, in denen weitere Zeugen und Beweismittel vorgestellt werden sollen.
Die tragischen Ereignisse werfen ein grelles Licht auf die Gefahren, denen Polizeibeamte im täglichen Einsatz ausgesetzt sind, und die rechtlichen Konsequenzen für Täter, die durch rücksichtsloses Verhalten Menschenleben gefährden.



