Ein massiver Angriff auf Signal-Nutzerkonten deutscher Spitzenpolitiker hat die Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft versetzt. Laut Geheimdienstkreisen steckt dahinter der russische Militärgeheimdienst GRU. Die Attacke ist Teil einer immer dreister werdenden Spionagekampagne Moskaus gegen Deutschland. Russland betrachtet die Bundesrepublik inzwischen als „Feind Nummer eins“.
Wie die Angriffe abliefen
Die Täter nutzten eine Schwachstelle in der Signal-App aus, um Zugriff auf Konten von Bundestagsabgeordneten und Ministerialbeamten zu erlangen. Dabei handelte es sich um eine sogenannte „Phishing-Attacke“: Die Opfer erhielten gefälschte Nachrichten, die angeblich von Signal selbst stammten und zur Eingabe ihrer Anmeldedaten aufforderten. Auf diese Weise gelangten die Angreifer an die Zugangsdaten und konnten die Konten übernehmen.
Betroffen waren nach SPIEGEL-Informationen mehrere Abgeordnete aus verschiedenen Fraktionen sowie Mitarbeiter des Kanzleramts und des Auswärtigen Amts. Die Hintergründe werden derzeit von Bundesamt für Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt untersucht. Es wird vermutet, dass die Angreifer vertrauliche Kommunikation abhören und politische Entscheidungsprozesse manipulieren wollten.
Moskaus Strategie: Propaganda, Spionage, Sabotage
Die Attacke ist kein Einzelfall. Russland hat seine nachrichtendienstlichen Aktivitäten in Deutschland in den letzten Monaten massiv ausgebaut. Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten verfolgt Moskau eine dreigleisige Strategie: Propaganda, Spionage und Sabotage.
- Propaganda: Über soziale Medien und gefälschte Nachrichtenseiten versucht Russland, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und Zwietracht zu säen.
- Spionage: Geheimdienste wie GRU und SVR dringen in Regierungsnetzwerke ein, stehlen Dokumente und belauschen Politiker.
- Sabotage: Kritische Infrastruktur wie Stromnetze oder Bahnanlagen werden gezielt angegriffen, um Chaos zu stiften.
Deutschland als „Feind Nummer eins“
Hintergrund der verschärften Aggression ist die Rolle Deutschlands als wichtigster Unterstützer der Ukraine in Europa. Moskau sieht Berlin als treibende Kraft hinter den EU-Sanktionen und den Waffenlieferungen an Kiew. In internen Papieren des Kreml heißt es dem Vernehmen nach, Deutschland sei „der Hauptgegner auf dem europäischen Kontinent“.
Die Bundesregierung reagiert mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Das Innenministerium kündigte eine Aufstockung des Personals für den Verfassungsschutz an. Zudem sollen die IT-Sicherheitsstandards in Ministerien und Behörden erhöht werden. Auch eine diplomatische Ausweisung russischer Geheimdienstmitarbeiter wird erwogen.
Reaktionen aus der Politik
Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von einem „ernsten Vorgang“ und betonte, man werde die Angriffe „mit aller Härte des Rechtsstaats“ verfolgen. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Konstantin von Notz (Grüne), forderte eine lückenlose Aufklärung und eine Stärkung der Geheimdienste. Die Union warf der Regierung vor, zu spät reagiert zu haben. „Die Warnzeichen sind seit Monaten sichtbar, aber die Ampel hat weggesehen“, so der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion.
Ausblick: Die nächste Eskalationsstufe?
Experten befürchten, dass Russland seine Aktivitäten weiter ausbauen könnte. Im Fokus stünden neben der Politik auch Unternehmen der Rüstungsindustrie und der Cybersicherheit. Der Angriff auf Signal-Konten könnte nur der Anfang sein. Die Sicherheitsbehörden raten allen politisch Verantwortlichen zu erhöhter Wachsamkeit und zur Nutzung abhörsicherer Kommunikationsmittel.



