Großrazzia gegen mutmaßlichen Schleuserring: Vietnamesische Frauen zur Prostitution gezwungen
Bei einer groß angelegten Razzia in fünf Bundesländern haben Ermittler am Donnerstag einen mutmaßlichen Schleuserring zerschlagen, der junge Vietnamesinnen zur Prostitution gezwungen haben soll. Rund 320 Einsatzkräfte durchsuchten nahezu zeitgleich 31 Objekte, darunter Privatwohnungen, Geschäftsräume und Bordellwohnungen. In Halle wurden drei Hauptverdächtige festgenommen, die als Dreh- und Angelpunkt des Netzwerks gelten.
Festnahmen in Halle und umfangreiche Durchsuchungen
Die Beamten nahmen in Halle widerstandslos eine 47-jährige Vietnamesin, ihren 42-jährigen Bruder sowie ihren 47-jährigen deutschen Lebensgefährten fest. Gegen alle drei hatte eine Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Chemnitz Haftbefehle wegen bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern, Menschenhandels und Zwangsprostitution erlassen. Die Razzia erstreckte sich neben Sachsen-Anhalt mit Standorten in Merseburg, Halle, Zeitz, Eisleben und Dessau-Roßlau auch auf weitere Bundesländer.
Ermittlungen seit 2024 und Hintergründe des Netzwerks
Die Ermittlungen hatten im Frühjahr 2024 begonnen, als die Chemnitzer Kripo auf mehrere vietnamesische Frauen stieß, die sich ohne Papiere in Deutschland aufhielten und in Bordellwohnungen der Prostitution nachgingen. Nach und nach sei ein organisiertes Netzwerk aus Auftraggebern, Wohnungsgebern, Anzeigen-Inserenten und Geldabholern zum Vorschein gekommen. Junge Frauen seien in Vietnam gezielt mit dem Versprechen einer gut bezahlten legalen Tätigkeit in Deutschland angeworben und ins Land gebracht worden. Hier habe man ihnen Pässe und Handys abgenommen und sie unter Druck gesetzt, sich in Bordellwohnungen zu prostituieren.
Bargeld, Falschgeld und Beweismittel sichergestellt
In der Hallenser Wohnung der beiden vietnamesischen Hauptverdächtigen fanden die Ermittler allein rund 145.000 Euro Bargeld. Insgesamt wurden an den Durchsuchungsorten etwa 214.000 Euro sichergestellt. In einer Berliner Wohnung entdeckten die Beamten zudem rund 33.000 Euro Falschgeld, in Leipzig eine Schreckschusswaffe. Außerdem beschlagnahmten sie Dutzende Handys, Computer und umfangreichen Schriftverkehr, die nun ausgewertet werden.
19 Frauen in Bordellwohnungen angetroffen
In den Bordellwohnungen in allen fünf Bundesländern trafen die Ermittler insgesamt 19 vietnamesische Frauen an, die offenbar der illegalen Prostitution nachgingen. Opferschutzbeauftragte der Polizei und Mitarbeiter einer Hilfsorganisation haben den Frauen Unterstützung angeboten. Die drei Festgenommenen sollen Freitag einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.
Die Ermittlungen seien noch lange nicht abgeschlossen – nun gehe es darum, die sichergestellten Beweismittel auszuwerten und die Schleusungswege weiter aufzuklären. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz betont, dass dies ein bedeutender Schlag gegen organisierte Kriminalität im Bereich Menschenhandel und Zwangsprostitution sei.



