Rostocker Cannabis Club startet kontrollierten Anbau nach langem Genehmigungsverfahren
In einer Lagerhalle in der Rostocker Carl-Hopp-Straße beginnt eine neue Ära des kontrollierten Cannabis-Anbaus. Der Piff Paff Cannabis Club Rostock hat nach einem mehr als einjährigen Genehmigungsmarathon endlich grünes Licht erhalten und startet nun mit dem Anbau von Cannabis in Bio-Qualität.
Bürokratischer Dschungel und hart erkämpfte Genehmigung
„Das hatten wir uns deutlich einfacher vorgestellt“, gesteht der 34-jährige Vereinsvorsitzende Marius Birk. Der Archäologe und seine Mitstreiter haben einen wahren Langstreckenlauf durch den Behördendschungel hinter sich gebracht. Mehr als ein Jahr dauerte das Genehmigungsverfahren, das unendlich viel Geduld und Durchhaltevermögen forderte. „Es war ein Marathon. Aber wir wussten, dass wir für etwas Wichtiges kämpfen“, betont Birk.
Die mittlerweile 20 Vereinsmitglieder atmen nun erleichtert auf. „Wir sind erleichtert und stolz, dass wir nun endlich Planungssicherheit haben“, erklärt Andreas Beckmann, Schatzmeister des Vereins und promovierter Chemiker. Der Piff Paff Cannabis Club ist nach dem im vergangenen Jahr gegründeten Green Generation der zweite Cannabisverein in der Hansestadt Rostock.
Ökologischer Anbau und klare Zielsetzung
Seit der Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland vor zwei Jahren dürfen solche Vereine eine Anbaugenehmigung beantragen und das Rauschmittel legal und kontrolliert an ihre Mitglieder abgeben. Der Rostocker Verein setzt dabei bewusst auf ökologischen und nachhaltigen Anbau in Bio-Qualität.
„Wir möchten zeigen, dass ein regulierter, nicht‐kommerzieller Anbau funktioniert, einen echten Mehrwert für Konsumenten bietet und einen Beitrag zu Gesundheitsschutz, Aufklärung und Enttabuisierung leisten kann“, erläutert Beckmann. Statt sich auf dem Schwarzmarkt Cannabis aus unbekannter Herkunft zu beschaffen, gehe es dem Verein darum, „mit unseren Mitgliedern hochwertiges Cannabis hier in Rostock anzubauen“.
Die Zielsetzung bringt Beckmann prägnant auf den Punkt: „Wir wollen den Menschen den Zugang zu dem bestmöglichen Cannabis ermöglichen - und uns selbst natürlich auch.“ Und er ergänzt ambitioniert: „Wir wollen das beste Cannabis in ganz Mecklenburg-Vorpommern anbieten.“
Konkrete Umsetzung in der Carl-Hopp-Straße
Mit der Genehmigung in der Tasche startet der Piff Paff Club jetzt voll durch. In der Carl-Hopp-Straße in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt wurde eine 350 Quadratmeter große Halle für die zukünftige Cannabis-Plantage angemietet. Hier wird ab sofort auch das Vereinsheim eingerichtet.
„Der Cannabis-Anbau beginnt in dieser Woche. Mit der ersten Ernte rechnen wir im Juli oder August“, verrät Marius Birk. Unzählige Säcke Blumenerde sowie mehrere Gewächshäuser stehen bereits bereit. Das nächste Etappenziel ist es, zunächst bis zu 200 Mitglieder zu werben.
Die Regeln sind klar definiert:
- An jedes Mitglied können monatlich bis zu 50 Gramm Cannabis abgegeben werden
- Insgesamt darf der Verein nicht mehr als 500 Mitglieder haben
- Der Anbau erfolgt ausschließlich in Bio-Qualität
Vielfältige Mitgliederstruktur und historischer Kontext
Zu den Gründungsmitgliedern des Piff Paff Cannabis Clubs gehören Menschen aus den verschiedensten Berufen: Elektriker, Chemiker, Biologen, Erzieher oder Softwareentwickler. Vereinsvorsitzender Marius Birk ist Archäologe und verweist auf den historischen Kontext: „Seit Jahrtausenden wird Cannabis als Heil- und Genussmittel genutzt. Noch im 19. Jahrhundert war Cannabis für verschiedene Anwendungszwecke ein wichtiger Bestandteil von Hausapotheken.“
Birk hebt zudem den medizinischen Nutzen hervor: Cannabis könne Linderung bei chronischen Schmerzen, ADHS, Schlafstörungen, Multipler Sklerose, Krebserkrankungen und Spastiken bieten.
Signal für moderne Cannabispolitik in Mecklenburg-Vorpommern
Der Rostocker Piff Paff Cannabis Club sieht die Genehmigung als weiteres wichtiges Signal für eine moderne Cannabispolitik in Mecklenburg-Vorpommern. „Und wir sehen unseren Verein in diesem Kontext als ein Medium der Kommunikation und des Austausches, um den Wandel und die Legalisierung von Cannabis politisch und gesellschaftlich voranzubringen und damit auch Jahrzehnte alte Vorurteile zumindest abzumildern“, erklärt Marius Birk abschließend.
Der Verein setzt damit nicht nur auf qualitativ hochwertigen Anbau, sondern auch auf Aufklärung und den Abbau von Vorurteilen rund um das Thema Cannabis. Ein ambitioniertes Vorhaben, das nun in Rostock konkrete Formen annimmt.



