Privater Waffenbesitz in Sachsen auf Rekordniveau
Im Freistaat Sachsen bewaffnen sich immer mehr Menschen legal. Die aktuellen Zahlen des sächsischen Innenministeriums, die durch eine Kleine Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Juliane Nagel ans Licht kamen, zeigen einen deutlichen Anstieg. Ende des Jahres 2025 waren insgesamt 32.800 private Waffenbesitzer im Freistaat registriert – das sind 300 mehr als im Vorjahr. Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei den Schusswaffen selbst aus: Ihre Zahl stieg um fast 2.500 auf knapp 158.000 legal besessene Einheiten.
Kleine Waffenscheine im Trend
Besonders auffällig ist die wachsende Beliebtheit sogenannter Kleiner Waffenscheine. Diese berechtigen zum verdeckten Führen von Schreckschusswaffen in der Öffentlichkeit. „Auch Schreckschusswaffen bleiben begehrt. Das zeigt die steigende Zahl sogenannter Kleiner Waffenscheine“, betonte die Linken-Politikerin Nagel. Zum Jahresende 2025 waren 25.155 Kleine Waffenscheine erteilt worden – ein Plus von 459 gegenüber dem Vorjahr.
Juliane Nagel sieht hinter dieser Entwicklung weniger sportliche Motive als vielmehr verbreitete Unsicherheitsgefühle in der Bevölkerung. „Die Entwicklung betrachte ich schon länger mit Sorge, denn mit wachsendem Interesse etwa am Schießsport ist sie kaum zu erklären. Bei der individuellen Aufrüstung schlagen sich stattdessen verbreitete Unsicherheitsgefühle nieder“, erklärte die Abgeordnete. Sie wies jedoch darauf hin, dass diese Gefühle nicht unbedingt mit der tatsächlichen Kriminalitätslage übereinstimmen müssen.
Sicherheitsrisiken und Kontrollen
Die zunehmende Verbreitung von Waffen birgt nach Ansicht von Expertinnen und Experten erhebliche Risiken. „Wenn nämlich immer mehr Waffen in Umlauf kommen, entstehen neue Gefahren durch Missbrauch und unsachgemäße Nutzung“, warnte Nagel. Problematisch sei dabei, dass Antragsteller für einen Kleinen Waffenschein keinerlei Nachweise über Waffenkenntnisse oder rechtliche Bestimmungen erbringen müssen.
Ein weiteres alarmierendes Detail: Anfang des Jahres 2026 waren 1.160 ursprünglich legal besessene Schusswaffen und Waffenteile zur Fahndung ausgeschrieben, weil sie abhandengekommen waren. Die kommunalen Waffenbehörden führten im vergangenen Jahr insgesamt 1.80 Kontrollbesuche bei Waffenbesitzern durch – überwiegend ohne konkreten Anlass und ohne vorherige Anmeldung.
Bei diesen Kontrollen gab es in knapp 17 Prozent der Fälle Beanstandungen. In solchen Situationen können die Erlaubnis zum Waffenbesitz widerrufen und die Waffen eingezogen werden. Im Jahr 2025 geschah dies insgesamt 148 Mal, darunter bei 26 Kleinen Waffenscheinen.
Zusätzliche Waffenkategorien
Neben den registrierten Schusswaffen gibt es in Sachsen noch weitere Waffenkategorien, deren genaue Zahl nicht erfasst wird. Dazu gehören:
- Reizstoffwaffen
- Signalwaffen
- Schreckschusswaffen
Diese Entwicklung im Freistaat Sachsen wirft grundsätzliche Fragen zur Waffensicherheit und zum gesellschaftlichen Klima auf. Während einige Bürgerinnen und Bürger in Waffen offenbar ein Gefühl von Sicherheit suchen, warnen Politikerinnen und Experten vor den damit verbundenen Risiken und der Diskrepanz zwischen subjektivem Sicherheitsempfinden und objektiver Kriminalitätsstatistik.



