Sieben britische Behörden ermitteln: Epstein-Akten belasten Prinz Andrew schwer
Im Skandal um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein könnten nun zahlreiche neue Hintergründe ans Licht kommen. Gleich sieben britische Polizeibehörden durchforsten aktuell die brisanten Epstein-Akten, wobei ein prominenter Name im Zentrum der Ermittlungen steht: Prinz Andrew Mountbatten-Windsor, der 65-jährige Bruder von König Charles III.
Flughafen Stansted als mutmaßliches Drehkreuz
Laut Medienberichten gibt es konkrete Anhaltspunkte dafür, dass Opfer Epsteins mit dem sogenannten "Lolita Express" zum Flughafen London Stansted geflogen wurden. Dieser Spitzname bezeichnete die Privatjet-Flotte des US-Finanziers, zu der unter anderem eine Boeing 727-100 gehörte. Den Ermittlungen zufolge sollen bis zu 90 Flüge am privaten Terminal des Flughafens gelandet sein, wobei 15 dieser Flüge sogar nach Epsteins Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs im Jahr 2008 stattfanden.
Die Polizei von Essex überprüft aktuell Flugprotokolle und E-Mails im Zusammenhang mit diesen Privatflügen. Parallel dazu untersucht die Polizei von Bedfordshire Flüge zum Airport London-Luton. Der Flughafen Stansted könnte demnach ein bedeutendes Drehkreuz für das Schleusen von Missbrauchsopfern gewesen sein.
Direkter Weg in den Buckingham-Palast?
Besonders brisant sind die Aussagen des früheren Premierministers Gordon Brown. Laut seinen Angaben enthalten die Epstein-Akten Nachrichten, die Prinz Andrew mit mindestens einem Opfer in Verbindung bringen. Demnach soll ein Mädchen mit dem "Lolita Express" nach Stansted geflogen und anschließend direkt in den Buckingham-Palast gebracht worden sein.
Die jungen Frauen, die auf diese Weise nach Großbritannien gebracht wurden, stammten laut Berichten aus Lettland, Litauen und Russland, aber auch britische Staatsbürgerinnen sollen betroffen gewesen sein. Gordon Brown äußerte sich kritisch: "Die britischen Behörden hatten kaum einen oder gar keinen Schimmer, wer durch unser Land geschleust wurde."
Weitere Ermittlungsschwerpunkte
Die Thames Valley Police prüft zudem den Verdacht, dass im Jahr 2010 eine Frau in ihren Zwanzigern von Epstein speziell für ein Treffen mit Prinz Andrew in der Royal Lodge nach Großbritannien geschickt wurde. Gleichzeitig rücken auch ältere Vorwürfe wieder in den Fokus, insbesondere die Aussagen der verstorbenen Virginia Giuffre, die behauptet hatte, 2001 als Minderjährige zu sexuellen Handlungen mit Andrew gezwungen worden zu sein.
Die Metropolitan Police versucht aktuell, vom FBI ungeschwärzte Dokumente aus den Epstein-Akten zu erhalten, um diese Vorwürfe umfassend aufklären zu können.
Widersprüchliches Verhalten des Prinzen
Prinz Andrew bestreitet nach wie vor alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Allerdings werfen neue Enthüllungen Fragen über seine Glaubwürdigkeit auf. Laut Medienberichten schickte Andrew Epstein im Jahr 2011 eine Weihnachtskarte mit Bildern seiner damals 21 und 23 Jahre alten Töchter - und dies ein Jahr, nachdem er behauptet hatte, jeglichen Kontakt zu dem verurteilten Pädophilen abgebrochen zu haben.
König Charles III. hatte seinem Bruder bereits alle militärischen Titel und royalen Schirmherrschaften aberkannt, um weiteren Schaden von der Monarchie abzuwenden. Die aktuellen Ermittlungen von sieben verschiedenen Polizeibehörden zeigen jedoch, dass der Fall keineswegs abgeschlossen ist und weiterhin neue belastende Details ans Tageslicht kommen könnten.



