Ein Skandal erschüttert die Regionalliga Nordost: Im Spiel zwischen dem Greifswalder FC und dem FC Lok Leipzig kam es in den Schlussminuten zu einem inoffiziellen Nichtangriffspakt. Beide Mannschaften stellten in den letzten acht Minuten (inklusive drei Minuten Nachspielzeit) sämtliche Angriffsbemühungen ein und spielten die Zeit nur noch herunter. Das 1:1-Unentschieden reichte beiden Teams, um ihre Ziele zu erreichen – Lok Leipzig sicherte sich die Tabellenspitze, Greifswald den Klassenerhalt.
Die Vorgeschichte: Ein Punkt für beide Seiten
Der Greifswalder FC, bei dem Weltmeister-Vater Roland Kroos noch bis Saisonende das sportliche Sagen hat, empfing den FC Lok Leipzig. Bereits in der dritten Minute gingen die Gastgeber in Führung, doch die Sachsen egalisierten nach 65 Minuten. Das 1:1 war das Ergebnis, das beide Teams brauchten: Lok Leipzig übernahm damit die Tabellenführung, Greifswald sicherte sich den Klassenerhalt. Ab der 85. Minute passierte dann nichts mehr – die Spieler schoben sich den Ball in der eigenen Hälfte zu, während die Leipziger entspannt hinter der Mittellinie zusahen, bis der Schiedsrichter abpfiff.
Trainer rechtfertigen Taktik
Lok-Trainer Jochen Seitz (49) äußerte sich zunächst vorsichtig: „Ich glaube, man hat schon gesehen, dass beide Mannschaften gewinnen wollten. Bis zur 85. Minute. Dann ist auch klar: Ein paar Minuten vor Schluss willst du kein Gegentor mehr fressen. Deswegen haben wir kompakt hinten drin gestanden und keine Räume mehr geboten. Insofern war es wichtig, den Punkt abzusichern. Dass Greifswald dann nicht mehr nach vorne spielte, ist absolut legitim – wenn jeder mit einem Unentschieden zufrieden ist, nimmt man den Punkt mit.“
Greifswald-Trainer Björn Lipfert (44) pflichtete bei: „Das unterschreibe ich genauso. Beide Mannschaften haben versucht, das Spiel zu gewinnen. Es ist nicht so, dass wir nach der 5. Minute angefangen haben, uns die Bälle hin und her zu schieben. Wenn du nicht gewinnen kannst, darfst du nicht verlieren. Das war unser Motto. So ist dann eben der Fußball.“
Scharfe Kritik vom Konkurrenten
Die Aktion kam nicht nur bei den Fans schlecht an, sondern vor allem beim Lok-Rivalen Carl Zeiss Jena, der durch das Remis von der Tabellenspitze verdrängt wurde. Trainer Volkan Uluc (56) zeigte sich enttäuscht: „Was da passiert ist, müssen die Verantwortlichen unter sich ausmachen, aber man sieht das Echo. Das müssen sie selber einordnen. Ich habe als Trainer so etwas nie gemacht und werde es niemals machen. Wir vertreten bestimmte Werte, und die stehen über allem. Wem Werte nicht wichtig sind, der hinterlässt auch nichts.“
Der Vorfall erinnert an die „Schande von Gijón“ bei der WM 1982, als Deutschland und Österreich ein 1:0 verwalteten, um beide weiterzukommen. Nun hat auch die 4. Liga ihren eigenen Skandal.



