Im Fall der organisierten Bande im Spatenhaus an der Oper hat die Staatsanwaltschaft München einen Haftbefehl erlassen. Betroffen ist ein 25-jähriger Vietnamese, der jedoch nach Angaben der Behörde keine zentrale Rolle in dem Verfahren spielt. Die Ermittlungen richten sich gegen insgesamt 50 Beschäftigte, die die Betreiber Sebastian und Stephan Kuffler systematisch betrogen haben sollen. Der entstandene Schaden wird auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt.
Durchsuchungen an über 50 Orten
Bereits am Donnerstag hatten Polizei und Staatsanwaltschaft mit einem Großaufgebot von rund 130 Beamten über 50 Objekte in München, im Landkreis München und in Oberbayern Nord durchsucht. Darunter befanden sich auch die Spinde im Spatenhaus selbst. Die Aktion dauerte rund zehn Stunden und endete erst gegen 19 Uhr. Dabei wurden elektronische Speichermedien, Laptops, Bargeld sowie geringe Mengen an Betäubungsmitteln und eine Langwaffe sichergestellt.
44 Verdächtige angetroffen
Bei den Durchsuchungen traf die Polizei auf 44 der 50 Tatverdächtigen. Bis auf eine Person wurden alle nach den polizeilichen Maßnahmen wieder freigelassen. Der 25-jährige Vietnamese wurde dem Ermittlungsrichter vorgeführt und befindet sich weiterhin in Polizeigewahrsam. Die übrigen Verdächtigen sind 45 Männer und fünf Frauen im Alter zwischen 25 und 69 Jahren. Die meisten von ihnen sind Deutsche, Vietnamesen und Kroaten, insgesamt sind 17 verschiedene Nationalitäten vertreten.
Vorwurf: Schwerer Bandendiebstahl
Den Tatverdächtigen wird schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen. Sie sollen über Jahre hinweg bestellte Speisen nicht in der Kasse erfasst haben, wenn Gäste bar bezahlten. Zudem sollen sie Lebensmittel gestohlen haben. Die Betreiber Sebastian und Stephan Kuffler zeigten sich tief erschüttert. „Menschen, denen wir selbst in privaten Belangen zur Seite standen, haben uns über viele Jahre hinweg auf das Perfideste belogen und bestohlen“, sagte Stephan Kuffler. Die Polizei spricht von einer „gewaltigen kriminellen Energie“ und bandenmäßigen Strukturen, die selbst die Ermittler überrascht hätten.
Keine Hinweise auf andere Betriebe
Nach Angaben einer Sprecherin des Spatenhauses gibt es keine Hinweise darauf, dass auch in anderen Betrieben der Kuffler-Gruppe Unregelmäßigkeiten aufgetreten seien. Die Brüder Kuffler wollen sich zunächst nicht weiter zu den Vorfällen äußern. Die Ermittlungen dauern an.



