Stade: 14-Jährige soll in Jugendzentrum vergewaltigt worden sein - Mutter macht Fall öffentlich
Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt aktuell wegen des schwerwiegenden Verdachts der Vergewaltigung gegen drei Jugendliche. Der Vorfall soll sich in einem Jugendzentrum in Gnarrenburg ereignet haben, wo eine 14-Jährige von den mutmaßlichen Tätern sexuell missbraucht worden sein soll. Die Mutter des betroffenen Mädchens hat den Fall nun öffentlich gemacht, nachdem sie auf dem Handy ihrer Tochter Videoaufnahmen des Vorfalls entdeckt hatte und die Familie nach eigenen Angaben keine ausreichende Unterstützung in der Gemeinde erhalten konnte.
Ermittlungen laufen mit besonderer Beschleunigung
Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stade bestätigte am Montag, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bei dem Minderjährige betroffen sind. Die Ermittlungen werden aufgrund der Beteiligung von Jugendlichen mit der notwendigen Beschleunigung behandelt, betonte die Sprecherin. Es sei jedoch noch nicht abzusehen, wie lange die Untersuchungen noch andauern werden. Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beschuldigten.
Die mutmaßlichen Täter sollen dem Vernehmen nach zum Tatzeitpunkt ebenfalls minderjährig gewesen sein. Die Videos des Vorfalls wurden laut ersten Berichten der „Bild“-Zeitung veröffentlicht, was die Schwere des Falls zusätzlich unterstreicht.
Mutter sieht Parallelen zu Berliner Fall
Die Mutter des Mädchens hatte von einem möglicherweise ähnlich gelagerten Fall in Berlin erfahren und erkennt Parallelen in der aus ihrer Sicht mangelhaften Aufarbeitung. In Berlin soll eine 16-Jährige Ende 2025 von Jugendlichen vergewaltigt und später bedrängt worden sein. Die Polizei erfuhr davon erst im Februar durch die Anzeige des Vaters, weder die beteiligte Einrichtung noch das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln hatten zunächst Anzeige erstattet. Inzwischen ermitteln das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Berlin, und der betroffene Jugendclub ist geschlossen.
Jugendzentrum weist Vorwürfe des Schweigens entschieden zurück
In einer ausführlichen Stellungnahme des Jugendzentrums in Gnarrenburg heißt es, dass die Vorwürfe aus der Mitte des vergangenen Jahres stammen. Sofort nach Bekanntwerden seien die vorgesehenen Meldeketten ausgelöst worden, und die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft seien am selben Tag aufgenommen worden. Mit den Eltern sei am Folgetag ein Gespräch geführt worden.
Das Team des Jugendzentrums habe korrekt gehandelt und bis zu der Anzeige keine Kenntnis von einer Gewalttat gehabt, so die Kirche, die das Zentrum gemeinsam mit der Gemeinde betreibt. Ein Diakon soll an dem Tag im Haus gewesen sein. „Auch wir wollen eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe und daraus folgende Konsequenzen“, erklärte das Jugendzentrum.
Die Einrichtung zeigte Verständnis für die emotionale Belastung der Familie: „Wenn Eltern den Eindruck haben, dass ihrem Kind Leid zugefügt wurde, ist das für jede Familie eine Ausnahmesituation. Den Schmerz, die Angst und auch die Wut können wir absolut nachvollziehen.“ Allerdings seien verbale Angriffe im Netz auf die Kirchengemeinde, die Gemeinde Gnarrenburg und das Jugendzentrum nicht zu tolerieren.
Der Fall unterstreicht die sensiblen Herausforderungen im Umgang mit Jugendkriminalität und dem Schutz von Minderjährigen in öffentlichen Einrichtungen. Die Ermittlungen in Stade und die parallelen Vorgänge in Berlin werfen Fragen zur Effektivität von Meldesystemen und zur Unterstützung betroffener Familien auf.



