Salzgitter AG setzt auf Rüstungsindustrie für Rückkehr in die Gewinnzone
Salzgitter: Rüstungsstahl soll Gewinn bringen

Stahlkonzern Salzgitter AG will mit Rüstungsgeschäft zurück in die Gewinnzone

Der traditionsreiche Stahlkonzern Salzgitter AG strebt nach mehreren Jahren mit roten Zahlen eine Rückkehr in die Gewinnzone an und setzt dabei auf ein neues Geschäftsfeld: Sicherheitsstahl für die Rüstungsindustrie. Konzernchef Gunnar Groebler betonte bei der Vorlage der Bilanz für das Jahr 2025, dass die Verteidigungsbranche ein margenstarkes Wachstumsfeld darstelle, das das Unternehmen unbedingt besetzen wolle.

Neue Geschäftsfelder und Effizienzsteigerungen

„Das ist ein Wachstumsfeld, was wir auf jeden Fall besetzen wollen, auch weil es ein margenstarkes Wachstumsfeld ist“, erklärte Groebler. Zwar bleibe das Volumen aus dem Verteidigungsbereich ein Nischenmarkt, aber ein sehr attraktiver Nischenmarkt. Die Schwäche der Automobilindustrie als bisherigem Hauptabnehmer könne der Verteidigungsbereich allerdings nicht ausgleichen.

Dennoch plant Salzgitter, den Anteil der Rüstungsindustrie am Konzernumsatz binnen drei Jahren auf einen einstelligen Prozentbereich zu steigern. Erste Erfolge erwartet das Unternehmen bereits im zweiten Halbjahr 2026. Mit dem Erwerb des Spezialanbieters Thyrolf & Uhle aus Dessau und fast allen notwendigen Freigaben der Bundeswehr sei man jetzt lieferfähig.

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Parallel wird das seit 2022 laufende Effizienzprogramm ausgeweitet: Statt der ursprünglich geplanten 500 Millionen Euro Ergebnisverbesserung bis 2028 sollen nun 575 Millionen Euro erreicht werden. 2025 wurden bereits 250 Millionen Euro realisiert, für 2026 ist ein weiterer dreistelliger Millionenbetrag vorgesehen.

Finanzielle Entwicklung und Zukunftspläne

Im Geschäftsjahr 2025 konnte Salzgitter seine Verluste bereits deutlich reduzieren. Der Konzern verzeichnete einen Verlust von 69,8 Millionen Euro nach 347,9 Millionen Euro im Vorjahr. Vor Steuern lag das Minus bei 28 Millionen Euro. Für 2026 peilt das Unternehmen einen bereinigten Vorsteuergewinn zwischen 75 und 175 Millionen Euro an.

Der Außenumsatz soll von 8,98 Milliarden Euro auf etwa 9,5 Milliarden Euro steigen. 2024 lag dieser noch bei 10,01 Milliarden Euro. Die Stammbelegschaft wurde im Zuge der Effizienzmaßnahmen nur geringfügig von 24.400 auf rund 24.000 Beschäftigte reduziert, da das Programm bewusst auf Personalabbau verzichtet und stattdessen bei Beschaffung und Logistik spart.

Übernahme von Hüttenwerke Krupp Mannesmann geplant

Ein weiterer strategischer Schritt ist die geplante Übernahme der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) von Thyssenkrupp Steel zum 1. Juni 2026. Bisher hält Thyssenkrupp 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen, Salzgitter 30 Prozent. Bis Ende Mai soll der Kaufvertrag unterzeichnet sein, vorbehaltlich eines Sanierungsgutachtens und der kartellrechtlichen Freigabe.

Innerhalb von drei Jahren plant Salzgitter einen radikalen Umbau von HKM: Die beiden Hochöfen sollen durch Anlagen für Grünen Stahl ersetzt werden, während die Belegschaft von 3.000 auf 1.000 Mitarbeiter schrumpfen wird. Dieser ambitionierte Zeitplan wird durch bewilligte Fördermittel für den Umstieg auf Grünstahl vorgegeben, die einen Dreijahreszeitraum vorsehen.

Langfristig sieht Groebler für HKM eine positive Zukunft, da das Unternehmen Vorprodukte für die boomende Rüstungsindustrie liefert. Nach dem Umbau soll HKM zudem Produkte ins Sortiment aufnehmen, die bisher aus Russland importiert wurden, wodurch die durch Sanktionen entstandene Lücke im europäischen Binnenmarkt geschlossen werden soll.

„Wir sind so gut aufgestellt, dass wir an diesem wachsenden Markt deutlich partizipieren können und auch partizipieren wollen“, resümierte der Vorstandschef die strategische Ausrichtung des Unternehmens.

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