Streit um Zigarette vor Imbiss endet mit schweren Verletzungen
Vor einem Döner-Imbiss in Hamburg-St. Pauli hat sich im Sommer 2025 ein Streit um das Rauchen zu einer folgenschweren Auseinandersetzung entwickelt. Ein 60-jähriger Mann liegt seit diesem Vorfall im Koma und wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft dauerhaft pflegebedürftig bleiben. Der angeklagte 31-Jährige, ein ehemaliger Kampfsportler, muss sich nun vor dem Hamburger Amtsgericht für schwere und gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung sowie zwei weitere Körperverletzungen verantworten.
Die Version der Staatsanwaltschaft
Laut Anklage ereignete sich der Vorfall am Abend des 14. August 2025. Der Angeklagte soll den alkoholisierten 60-Jährigen im Außenbereich des Imbisses aufgefordert haben, nicht zu rauchen, da er esse. Als der Mann dieser Bitte nicht nachkam, begab sich der 31-Jährige in den Innenraum des Lokals. Der 60-Jährige folgte ihm bis zur Tür und bestand darauf, rauchen zu können, wo er wolle. Daraufhin soll der Angeklagte seinem Opfer mit der flachen Hand einen wuchtigen Schlag ins Gesicht versetzt haben.
Der Getroffene sei ungebremst auf den Asphaltboden aufgeschlagen und sofort bewusstlos geworden. Obwohl der Angeklagte die lebensgefährliche Verletzung seines Opfers erkannt haben soll, habe er Rettungsmaßnahmen unterlassen. Der 60-Jährige erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit multiplen Blutungen und liegt seither im Koma.
Die Verteidigung des Angeklagten
In seiner Aussage vor Gericht schilderte der 31-jährige Deutsch-Türke mit dunklem Bart, der in weißem Pullover und schwarzer Hose neben seinem Anwalt Noah Kistner saß, eine deutlich andere Version der Ereignisse. Er wollte der Familie des Opfers sagen, dass er sich nicht gewünscht hätte, dass der 60-Jährige im Koma landet. „Aber es ist leider passiert. Aber es ist nicht so passiert“, betonte der Angeklagte.
Er habe alleine im Außenbereich des Lokals gesessen und in Ruhe essen wollen, als sich der 60-Jährige ungefragt an seinen Tisch gesetzt habe. Auf die Frage, ob sie sich kennen, habe der ältere Mann mit „ja“ geantwortet, doch schnell sei klar geworden, dass dies nicht stimmte. Dreimal habe er ihn gebeten, ihn in Ruhe zu lassen, doch der Mann habe sich über ihn lustig gemacht. „Er wollte leider mit mir streiten“, sagte der Angeklagte.
Dann habe sich der 60-Jährige eine Zigarette angemacht und den Rauch absichtlich mehrmals in sein Gesicht gepustet. Als er höflich sagte „Der ganze Rauch kommt in mein Gesicht“, sei der Mann „ausgerastet“ und habe erklärt: „Ich mach', was ich will.“
Eskalation und Folgen
Der Angeklagte versuchte noch, die Situation zu beruhigen, und ging in den Innenbereich, wo er sich möglichst weit entfernt hinsetzte. Doch der 60-Jährige sei ihm nachgekommen und habe ihn „sehr schlimm“ auf Türkisch beschimpft, unter anderem als „Ehrenloser“ bezeichnet. Dann sei der Mann auf ihn zugekommen, „um mich zu schlagen“, erklärte der 31-Jährige. „Dann bin ich aufgestanden und habe ihn von mir weggedrückt.“
Der 60-Jährige sei mit der rechten Körperhälfte gegen den Tresen gefallen und habe sich dann fallen lassen. Der Angeklagte betonte, er habe nicht gewusst, dass der Mann alkoholisiert war und 1,8 Promille Alkohol im Blut hatte. Andere Gäste hätten den Verletzten dann herausgetragen und einen Krankenwagen gerufen. „Ich wusste nichts vom Koma“, sagte der Angeklagte. Er habe bezahlt und sei dann gegangen.
Weitere Ermittlungen und mögliche Strafe
Nach der Tat soll der 31-jährige ehemalige Kampfsportler in die Türkei gereist sein, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mitteilte. Als er von dem Haftbefehl gegen ihn erfahren habe, sei er zurück nach Deutschland gekommen. Seit dem 18. September 2025 sitzt er in Untersuchungshaft.
In dem laufenden Prozess sollen noch mehrere Zeugen aussagen. Die Tochter des Opfers verfolgt als Nebenklägerin die Verhandlung mit wechselnden Emotionen – von Tränen während der Aussage des Angeklagten bis zu stoischem Blick. Sollte der 31-Jährige verurteilt werden, drohen ihm laut Staatsanwaltschaft ein bis zehn Jahre Haft.



